Jeder fünfte deutsche Erwachsene erleidet mindestens einmal in seinem Leben eine depressive Phase. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Bei der Entstehung der Depression können viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen.

Als Depression bezeichnet man einen längeren Zustand deutlich gedrückter Stimmung, Interessenlosigkeit und Antriebsschwäche. Phasen der Trauer, Melancholie oder Niedergeschlagenheit gehören zum menschlichen Dasein genauso dazu wie Hochphasen des Glücks. Wann aus einer solchen Phase die Krankheit Depression wird, ist nicht immer leicht zu erkennen – der Übergang ist meist fließend.

Depressionen können in jedem Lebensalter auftreten. Das Bundesgesundheitsministerium nimmt an, dass derzeit in Deutschland mindestens vier Millionen Menschen von einer Depression betroffen sind. Dabei ist die Dunkelziffer hoch: Nach den Ergebnissen einer Studie der Weltgesundheitsorganisation werden depressive Erkrankungen in etwa der Hälfte der Fälle nicht als solche diagnostiziert. Viele Betroffene suchen häufig keinen Arzt oder Psychologen auf oder die Symptome werden nicht als die einer Depression erkannt.

Eine Depression kann sich ganz unterschiedlich entwickeln. Grundsätzlich trägt jeder Mensch das Risiko in sich, depressiv zu werden. Doch ob jemand tatsächlich erkrankt, unterliegt Einflüssen, die wir nicht unbedingt kontrollieren können. Dazu gehören erbliche Anlagen, körperliche Faktoren und das persönliche Lebensumfeld. Häufig können Patienten, die unter Depression leiden, keine schlüssige Erklärung für ihre Erkrankung finden und müssen ihre individuellen Ursachen und Auslöser erst in einer Therapie erarbeiten.

Mögliche Ursachen

Erbliche Veranlagung

Untersuchungen konnten aufzeigen, dass bei Verwandten von depressiven Patienten ein erhöhtes Risiko besteht, selbst an einer Depression zu erkranken. Obwohl somit offensichtlich die Gene eine Rolle spielen, besteht nach dem aktuellen Forschungsstand keine Klarheit darüber, welche Gene an der Auslösung der Krankheit beteiligt sind.

Nebenwirkungen von Medikamenten

Einige Arzneimittel können Depressionen als unerwünschte Nebenwirkung auslösen. Dies ist zum Beispiel bei Kortisonpräparaten oder Medikamenten zur Behandlung von Schizophrenie (Neuroleptika) möglich.

Stress

Akute Trennungs- oder Verlusterlebnisse, wie das Ende einer Beziehung oder der Verlust des Arbeitsplatzes, können Auslöser einer Depression sein. Auch privater und beruflicher Stress oder lang andauernde, belastende Erfahrungen in der Lebensgeschichte sowie traumatische Erlebnisse in der Kindheit können eine Rolle spielen.

Schlafstörungen

Wer häufig Probleme mit dem Schlaf hat, kann anfälliger für Depressionen sein. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) spricht bei Menschen mit Schlafstörungen von einem drei- bis vierfach höheren Risiko für psychische Erkrankungen wie die Depression.

Erlernte negative Denkstrukturen

Unsere Denk- und Verarbeitungsmuster entstehen in der Regel in der Kindheit und können, wenn sie z.B. besonders pessimistisch und unflexibel sind, eine Depression verursachen. Betroffene zeigen häufig eine negative Sicht auf sich und ihre Umgebung und sind ohne Hoffnung in Bezug auf die Zukunft. Auch übermäßige Selbstkritik und der Fokus auf generell negative Interpretationen von Ereignissen sind Bedingungen, welche die Entstehung einer Depression begünstigen können.

Chronische körperliche Erkrankungen

Fast alle chronischen Erkrankungen stellen eine dauerhafte Belastungssituation für die Betroffenen dar und können Depressionen zur Folge haben. Insbesondere ist dies bei Patienten mit Morbus Parkinson, Schlaganfall, Epilepsie, Herzinfarkt, Krebserkrankungen, Schilddrüsen-Funktionsstörungen (Über- oder Unterfunktion) und Diabetes der Fall.

Symptome

Die Depression hat viele Erscheinungsbilder. Niedergeschlagenheit, Verlust von Freude und das Gefühl allein gelassen zu sein – dies sind unter Umständen Hinweise auf das Vorliegen einer Depression.

Depressive Patienten bestätigen häufig folgende Aussagen:

  • „Ich bin traurig, einsam oder unglücklich.”
  • „Ich fühle mich erschöpft, ausgelaugt und leer.“
  • „Ich komme am Morgen kaum aus dem Bett.“
  • „Ich habe Konzentrationsprobleme und kann alltägliche Aufgaben nur mit Mühe erledigen.“
  • „Ich fühle mich wertlos und ungeliebt.“
  • „Ich kann mich nicht mehr über Dinge freuen, die ich früher schön fand.“
  • „Ich ziehe mich zurück, weil die Gesellschaft mich anstrengt und mir Stress bereitet.“
  • „Ich fühle mich schuldig.“

Es ist ganz normal, dass jeder Mensch in bestimmten Lebensphasen einige dieser Aussagen als auf sich zutreffend bewertet. Wenn sich aus diesen Ansichten jedoch grübelnde Gedankengänge entwickeln, aus denen sich der Betroffene nicht mehr befreien kann, löst dies einen großen Leidensdruck aus. Dauert dieser Zustand über mehrere Wochen an, könnte eine Depression vorliegen. Durch das Abfragen der Kernsymptome kann dann überprüft werden, ob tatsächlich die Kriterien für die Diagnose Depression erfüllt sind.

Die Symptome (Anzeichen) einer Depression können sich sowohl auf der psychischen als auch auf der körperlichen Ebene zeigen:

Psychische Symptome

  • depressive Stimmung
  • Verlust von Interesse und Freude
  • verminderter Antrieb / erhöhte Ermüdbarkeit
  • verminderte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl (Gefühl von Wertlosigkeit)
  • Schuldgefühle und Selbstvorwürfe
  • negative oder pessimistische Sicht auf die Zukunft
  • Verlust von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen
  • innere und körperliche Unruhe
  • Gedanken an Selbstmord

Körperliche Symptome

  • allgemeine körperliche Abgeschlagenheit und Kraftlosigkeit
  • Schlafstörungen (Ein- und/oder Durchschlafstörungen), im Sinne von Schlaflosigkeit oder auch vermehrtem Schlafbedürfnis
  • Appetitstörungen, Magendruck
  • Gewichtsverlust oder -zunahme
  • Verdauungsprobleme wie Verstopfung oder Durchfall
  • Kopfschmerzen oder andere Schmerzen, häufig Rückenschmerzen
  • Druckgefühl in Hals und Brust, Beengtheit im Hals
  • Störungen von Herz und Kreislauf (Herz-Rhythmus-Störungen, Herzrasen) oder Atemnot
  • Schwindelgefühle, Flimmern vor den Augen, Sehstörungen
  • Muskelverspannungen, plötzlich einschießende Schmerzen
  • Verlust des sexuellen Interesses, Aussetzung der Monatsblutung, Impotenz, sexuelle Funktionsstörungen
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Umstände, die das Selbstmordrisiko erhöhen können

Wenn depressive Symptome vorhanden sind, muss immer auch die Gefährdung für einen Selbstmord (Suizid) beachtet werden.

Auf ein erhöhtes Risiko können folgende Umstände hinweisen:

  • frühere Suizidversuche
  • höheres Alter
  • Suizid in der Verwandtschaft
  • sehr schwere Depression
  • sehr ausgeprägte Schuldgefühle
  • fehlende familiäre und soziale Bindungen
  • Verlust des sozialen Umfeldes oder des Berufes
  • Entwurzelung durch Trennung
  • Kränkungen durch Zurückweisung
  • Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen

Mögliche Begleiterkrankungen

Depressive Störungen treten oft in Verbindung mit anderen psychischen Erkrankungen auf. Häufigste Begleiter sind Angst- und Zwangsstörungen sowie der Missbrauch von Alkohol oder Drogen.

Häufige psychische Begleiterkrankungen sind:

  • Angst- und Panikstörungen
  • Zwangsstörungen
  • Wahnzustände (Psychosen)
  • Missbrauch von Alkohol oder Drogen
  • Essstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen

Angst- und Panikstörungen

Eine Depression kann mit einer übermäßigen Unsicherheit, Ängstlichkeit oder mit Panikattacken einhergehen. Nicht selten kommen Depression und Angst gleichzeitig vor, ohne dass eine Erkrankung für sich ausreichend stark ausgeprägt ist, um die entsprechende Diagnose Depression oder Angststörung zu stellen.

Zwangsstörungen

Von Zwängen wird gesprochen, wenn Betroffene unter immer wieder auftretenden Gedanken oder Handlungen leiden und diese nicht unterdrücken können, obwohl sie als unerträglich, sinnlos oder zeitraubend empfunden werden.

Wahnzustände (Psychosen)

Psychotische Symptome können im Zusammenhang mit schweren depressiven Episoden auftreten. Gelegentlich können depressive Fehlüberzeugungen für den Betroffenen zu einer unverrückbaren Realität heranwachsen. Es kann zu Wahnideen, Halluzinationen oder auch extrem verlangsamten Reaktionen (sogenannter depressiver Stupor) kommen.

Missbrauch von Alkohol oder Drogen

Bei einer depressiven Erkrankung besteht ein erhöhtes Risiko für eine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Durch Suchtmittel wird häufig ein Ausweg aus der niedergedrückten Stimmung gesucht, dabei machen Alkohol und Drogen die Situation nur noch schlimmer.

Menschen mit Depressionen sollten Alkohol und Drogen unbedingt meiden. Wichtig ist, dass der behandelnde Arzt oder Psychologe im Falle eines Alkohol- oder Drogenproblems darüber Bescheid weiß, um angemessene Hilfe anbieten zu können. Betroffene sollten dem Arzt gegenüber daher sehr offen über ihre Alkohol- und Drogengewohnheiten sprechen.

Essstörungen

Häufig gehen Depressionen mit Essstörungen (Magersucht, Bulimie) einher. Meistens sind Frauen von diesen Begleiterkrankungen betroffen, aber zunehmend leiden auch Männer unter Essstörungen. Auch hier ist ein offener Umgang mit den Begleiterkrankungen sehr wichtig, um diese Erkrankung ebenfalls angemessen behandeln zu können.

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind solche Störungen, die ein flexibles, der Situation angemessenes Verhalten und Erleben der Betroffenen erschweren oder unmöglich machen. Es gibt viele verschiedene Formen. Diese häufig sehr schwer zu erkennenden Erkrankungen gehen oft mit Depressionen einher.


Psychosomatik

Depressionen können auch im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen auftreten. Häufig ruft bereits die Diagnose einer körperlichen Erkrankung Ängste und Sorgen hervor.

Bei chronischen, also dauerhaften körperlichen Erkrankungen sind Depressionen meist eine Reaktion der Psyche auf die andauernde und konstante Belastung der Betroffenen und die Veränderung ihrer Lebensumstände.

Krebs

Bei Krebserkrankungen gibt es sogar eine eigene wissenschaftliche Fachrichtung, die Psychoonkologie, welche die Auswirkungen von Krebserkrankungen auf die Psyche der Betroffenen erforscht und Möglichkeiten der Unterstützung entwickelt. Bei etwa einem Drittel aller Krebspatienten kann man davon ausgehen, dass infolge der schweren Belastung durch die Krebserkrankung eine psychische Erkrankung auftritt, dabei ist die Depression besonders häufig.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Auch Erkrankungen von Herz- und Kreislauf sind sehr häufig mit psychischen Reaktionen verbunden (hier nennt sich das entsprechende Fachgebiet Psychokardiologie). Die Betroffenen fühlen sich durch ihre Erkrankung häufig stark verunsichert und beunruhigt. Herzrhythmusstörungen, Wiederbelebung wegen eines Herzinfarkts oder Implantation eines Herzschrittmachers oder Defibrillators – dies alles sind Erlebnisse und Bedingungen, die insbesondere ängstliche und depressive Symptome auslösen können.

Schlaganfall

Ein Schlaganfall geht nicht nur mit körperlichen Einschränkungen einher, sondern meist auch mit schwerwiegenden psychischen Belastungen. Ein Schlaganfall hat häufig deutliche körperliche und geistige Veränderungen zur Folge, was von den Betroffenen eine enorme Anpassung abverlangt. Viele Betroffene entwickeln nach dem Schlaganfall eine sogenannte „Post-Stroke-Depression“ (PSD).

Schmerzen

Jeder von uns, der bereits einmal Schmerzen hatte, kann erahnen, welche psychische Belastung chronische Schmerzen darstellen können. Durch die Schmerzen sind die Betroffenen in ihrem Alltag enorm eingeschränkt und ziehen sich immer weiter zurück. Doch durch den Rückzug werden die chronischen Schmerzpatienten zunehmend einsam und depressiv. Hier kann eine Art Teufelskreis entstehen: Durch die Schmerzen hat sich die Depression entwickelt, doch der Rückzug und die Vermeidung von Aktivität und Bewegung verschlimmert die Schmerzen, die wiederum die Depressionen verstärken.

Diabetes

Menschen mit Diabetes (Zuckerkrankheit) haben ein größeres Risiko, an Depressionen zu erkranken. Zum einen schränkt Diabetes als chronische Krankheit das Leben der Betroffenen sehr ein und kann somit Depressionen zur Folge haben (besonders bei Menschen mit diabetischen Folgeschäden ist das Depressionsrisiko erhöht). Zum anderen gibt es biochemische Gemeinsamkeiten zwischen Diabetes und Depression: z.B. eine veränderte Ausschüttung verschiedener Hormone wie Kortisol, Noradrenalin und Serotonin.

Allergien

Chronische allergische Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen können die Betroffenen so belasten und in ihrer Lebensgestaltung einschränken, dass sich eine Depression als Folge entwickeln kann.

Diagnostik

Es gibt einen einfachen Test, der den Verdacht auf eine depressive Störung erhärtet, den so genannten “Zwei-Fragen-Test”:

  • Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?
  • Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Werden beide Fragen mit ja beantwortet, dann sollten Sie sich von einem Arzt oder Psychologen eingehend untersuchen lassen. In einem ausführlichen Gespräch sollen alle wichtigen möglichen Kern- und Nebensymptome einer Depression erfragt werden. Damit kann eine Erkrankung zuverlässig festgestellt oder ausgeschlossen werden.

Wenn bei einem Menschen depressive Anzeichen festgestellt wurden, heißt das nicht zwangsläufig, dass dieser an einer Depression leidet. Auch bei anderen psychischen Störungen gehören viele dieser Zeichen zum Krankheitsbild. So können Erschöpfung oder Schlafstörungen bei körperlichen Erkrankungen auftreten. Deswegen sollte der Arzt oder Psychologe in einem nächsten Schritt Fragen zu anderen möglichen Krankheiten stellen, um diese abzugrenzen.

Wenn eine depressive Erkrankung festgestellt wurde, bespricht der Arzt oder Psychologe gemeinsam mit dem Patienten das weitere Vorgehen und unterstützt ihn, die für ihn passende Behandlungsform auszuwählen und einzuleiten.

Die genaue Diagnostik einer Depression erfolgt über ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt oder einem Psychologen. Dabei wird dieser sich an bestimmten Beispielfragen oder Fragebögen orientieren, die sich in der Forschung als zuverlässig und aussagekräftig erwiesen haben.

Dieses Gespräch ist das wichtigste Mittel des Experten, um herauszufinden, ob jemand an einer Depression erkrankt ist und wie stark diese ausgeprägt ist. Deshalb ist wichtig, dass Betroffene dem Arzt oder Psychologen vertrauen können und möglichst offen antworten.

Die Kriterien zur Diagnose einer Depression richten sich nach den Vorgaben der international anerkannten Diagnose- und Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV. ICD-10 ist die 10. Ausgabe der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (engl.: „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“) und wird herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Abkürzung DSM-IV steht für die 4. Ausgabe des „Diagnostischen und Statistischen Handbuchs Psychischer Störungen“ (engl.: „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“) und ist ein Klassifikationssystem der American Psychiatric Association (APA).

Bestimmung des Schweregrades

Man unterscheidet zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer Depression. Die Behandlungsmöglichkeiten für alle drei Schweregrade sind verschieden. Deswegen ist es notwendig, dass alle Krankheitsanzeichen so genau wie möglich erfasst werden. Die Einteilung nach Schweregraden wird von Fachleuten vorgenommen, indem sie das Vorhandensein bestimmter Symptome prüfen und sich einen klinischen Eindruck verschaffen.

  • Von einer leichten depressiven Episode spricht man, wenn zwei Kern- und höchstens zwei Nebensymptome vorliegen.
  • Bei zwei Kern- und drei bis vier Nebensymptomen spricht man von einer mittelgradigen Depression.
  • Mindestens drei Kern- und vier oder mehr Nebensymptome kennzeichnen eine schwere Depression.

Mögliche Verlaufsformen

Einzelne depressive Phasen nennt man depressive Episoden, wenn die Symptome mehr als zwei Wochen vorliegen. Diese Episoden können einmalig oder wiederholt auftreten.

Bei mehr als der Hälfte der Ersterkrankungen kommt es im Laufe der Zeit zu einer erneuten Erkrankung (Rezidiv). Zwischen zwei depressiven Episoden können Jahre vergehen, sie können aber auch innerhalb eines kurzen Zeitraums gehäuft auftreten. Wenn mehr als eine depressive Episode in der Lebensgeschichte der Betroffenen auftrat, spricht man von einer rezidivierenden depressiven Störung.

Von einer Depression abzugrenzen ist die Dysthymie, eine anhaltende getrübte Stimmung, die das Befinden zwar beeinträchtigt, aber nicht so stark wie eine depressive Episode. Um eine Dysthymie oder eine Dysthyme Störung zu diagnostizieren, muss diese getrübte Stimmung mehr als zwei Jahre andauern.

Von einer chronischen Depression spricht man, wenn die Kriterien für eine depressive Episode mehr als zwei Jahre anhalten.

Saisonale Depression / Winterdepression

Eine Sonderform der Depression ist die sogenannte saisonale Depression. Hierbei kommt es in den lichtarmen Jahreszeiten (Herbst und Winter) zu Symptomen der Depression, die durch den Lichtentzug ausgelöst werden. Darüber hinaus leiden die Betroffenen auch häufig unter einem vermehrten Schlafbedürfnis und auftretendem Heißhunger.

Postpartale Depression

Eine postpartale Depression ist eine Depression, die bei Frauen auftreten kann, die ein Kind entbunden haben, aber auch bei Männern. Diese Erkrankung kann noch bis zu zwei Jahre nach der Geburt des Kindes auftreten und ist dringend behandlungsbedürftig. Oft wird diese Erkrankung auch als postnatale Depression (postnatal = nach der Geburt) bezeichnet.

Kann ich selber herausfinden, ob ich Depressionen habe?

Eine erste Überprüfung ermöglicht der anonyme Novego Depression Selbsttest. Dieser basiert auf dem wissenschaftlich anerkannten Fragebogen PHQ-9, welcher das Depressionsmodul des Gesundheitsfragebogens für Patienten (PHQ-D) darstellt – die Abkürzung PHQ-D steht für die deutsche Version des „Patient Health Questionnaire“.

Alle Bereiche der Depression werden mit diesem Fragebogen erfasst, der als diagnostisches Instrument von der American Psychiatric Association (APA) empfohlen wird.

Therapiemöglichkeiten

Das Ziel der Therapie von Depressionen ist es, den Betroffenen in akuten Belastungssituationen zu stabilisieren, die Ursachen für das Entstehen der Depression gemeinsam zu erarbeiten und dann schrittweise den Weg aus der Depression zu finden.

Depressionen sind in der Regel gut zu behandeln. Dazu stehen mehrere Möglichkeiten der Therapie zur Verfügung:

  • medikamentöse Behandlung
  • psychotherapeutische Behandlung
  • Kombinationstherapie aus Medikamenten und Psychotherapie

Welche Behandlung für einen Patienten geeignet ist, hängt vom Schweregrad der Erkrankung und dem bisherigen Krankheitsverlauf sowie von dessen persönlichen Wünschen ab. In jedem Fall sollten Betroffene gemeinsam mit ihrem Arzt oder Psychologen das Für und Wider der in Frage kommenden Verfahren gründlich abwägen.

Die Behandlung verfolgt stets mehrere Ziele. Die Symptome der Depression sollen so weit zurückgehen, dass die Betroffenen ihr seelisches Gleichgewicht wiederfinden und wieder in der Lage sind, ihren sozialen wie beruflichen Alltag mit Freude und Erfolg zu bewältigen, um ein ausgefülltes, zufriedenstellendes Leben zu führen. Darüber hinaus soll die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall oder eine spätere Wiedererkrankung so gering wie möglich gehalten werden.

Die hier vorliegenden Informationen zur Behandlung von Depressionen beruhen auf der Nationalen Versorgungsleitlinie zur Depression, welche die besten derzeit verfügbaren Kenntnisse darstellt. Dabei ist zu beachten, dass die hier vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten unter bestimmten Bedingungen angepasst werden müssen. Die persönlichen Wünsche und Lebensziele des Patienten spielen eine wichtige Rolle. Auch das Alter, der Schweregrad der Erkrankung, mögliche Nebenerkrankungen und alle eingenommenen Medikamente können die Empfehlungen mitunter stark beeinflussen. Betroffene sollten ihren Arzt oder Psychologen daher unbedingt über all diese Faktoren in Kenntnis setzen, damit dieser die passende Behandlungsform entsprechend der oben genannten Kriterien auswählen kann. Die ausgewählte Behandlungsform ist nicht immer die neueste oder die kostenintensivste. Maßgeblich ist, dass die Therapie die beste Wahl für den Betroffenen darstellt. Innovation und hohe Kosten sind nicht identisch mit der höchsten Qualität einer Therapie für einen Patienten. Bei Fragen hierzu sollten sich Betroffene immer an ihren behandelnden Arzt oder Psychologen wenden.

Abschnitte der Therapie

Die Behandlung lässt sich grundsätzlich in drei Abschnitte einteilen:

In der Akuttherapie geht es darum, die akut vorliegenden Beschwerden und Anzeichen der Depression so schnell und so gut wie möglich zu behandeln, bis sie weitestgehend verschwunden sind.

Wenn das der Fall ist, setzt die Erhaltungstherapie ein. Durch eine Weiterführung der gewählten Behandlung über etwa vier bis neun Monate bei medikamentöser und acht bis zwölf Monate bei psychotherapeutischer Behandlung soll sich der Zustand stabilisieren. Damit kann die Gefahr eines Rückfalls erheblich gesenkt werden. Es ist also wichtig, die gewählte Behandlung nicht vorschnell abzubrechen, sobald eine Linderung der Beschwerden eingetreten ist, sondern den ursächlichen und aufrechterhaltenden Bedingungen der Depression auf den Grund zu gehen und kontinuierlich an diesen zu arbeiten.

Bei bestimmten Patienten sollte sich an die Erhaltungstherapie eine weitere Behandlung zur Vorbeugung gegen ein erneutes Auftreten nach vollständiger Genesung anschließen (Rezidivprophylaxe). Die Behandlung kann sich über ein Jahr oder länger erstrecken und wird insbesondere dann empfohlen, wenn ein Patient mit Depression schon mehrere Rückfälle erlebt hat, während der depressiven Phase sehr stark eingeschränkt war oder an einer chronischen Depression leidet.

Medikamentöse Therapie bei Depression

Eine Depression kann auch mit Medikamenten behandelt werden, die auf die Psyche wirken. Da diese gezielt gegen (lateinisch: anti) Depressionen wirken, werden sie auch Antidepressiva genannt (Einzahl: Antidepressivum).

Zur Behandlung von depressiven Störungen stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung. Bei mittel- oder schwergradigen depressiven Episoden wird Betroffenen eine Behandlung mit Medikamenten, häufig in Kombination mit einer Psychotherapie, angeboten. Die Medikamente können allerdings vielfältige Nebenwirkungen aufweisen. Generell ist bei der medikamentösen Behandlung Nutzen und Risiko miteinander abzuwägen. Daher wird bei der Erstbehandlung von einer leichten depressiven Episode oft vom Einsatz von Antidepressiva abgesehen. In der Regel greifen die medikamentösen Therapien in den Hirnstoffwechsel ein und verändern bestimmte Stoffwechselvorgänge zwischen Nervenzellen.

Die wichtigsten Wirkstoffgruppen:

  • klassische Antidepressiva (wirken je nach genauem Typ des Medikaments stimmungsaufhellend, beruhigend oder antriebssteigernd)
  • Wiederaufnahmehemmer (erhöhen die Konzentration von den Botenstoffen im Gehirn, die der Depression entgegenwirken)
  • Inhibitoren (verhindern den Abbau von den Botenstoffen im Gehirn, die der Depression entgegenwirken)
  • weitere Antidepressiva
  • pflanzliche Antidepressiva

Psychotherapie

In der Psychotherapie versucht der Psychotherapeut, den Patienten (im Gespräch oder mit bestimmten Übungen) dabei zu unterstützen, den Weg aus der Depression zu finden. Der Patient hat hierbei eine aktive Rolle. Das bedeutet, Psychotherapie ist weitgehend Hilfe zur Selbsthilfe.

Es gibt viele verschiedene Arten und Formen der Psychotherapie. In Deutschland werden aber bei der Behandlung von Depressionen ambulant (in der Praxis) in der Regel nur Psychotherapieverfahren von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt und bezahlt, die zu den sogenannten Richtlinienverfahren gehören. Als Richtlinienverfahren gelten die Verhaltenstherapie und die psychoanalytisch begründeten Verfahren (Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie).

Bei Depression wird als spezifische psychotherapeutische Form eher die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) empfohlen. Dabei wird nach einer umfassenden Ursachenklärung versucht, depressive Verhaltensweisen wie Rückzug oder Grübeln durch die Förderung von angenehmen Aktivitäten im Tagesgeschehen zu ersetzen und soziale Kompetenzen zu festigen. Grundlage des Vorgehens ist der Zusammenhang von Stimmung, Verhalten und Gedanken und die wechselseitige Beeinflussung dieser Bereiche. Da die Stimmung in der Regel nur indirekt zu verändern ist, setzt der therapeutische Weg auf der Ebene des Verhaltens und der Gedanken an.

Betroffene nehmen ihre negativen Kommunikationsmuster mit anderen oft gar nicht mehr wahr und brauchen hierbei Unterstützung. Das Hinterfragen negativer Gedankenmuster und ungünstiger Grundannahmen im Rahmen der KVT hat zum Ziel, diese depressionsfördernden Mechanismen zu durchbrechen, um den Weg aus der Depression zu finden.

Auch systemische Therapieansätze, die den Betroffenen im Netz seiner Beziehungen betrachten, und achtsamkeitsbasierte Verfahren, welche u.a. eine wertungsfreie Aufmerksamkeit schulen, sind vielversprechende psychotherapeutische Ergänzungen, um den individuellen Facetten der Erkrankung gerecht zu werden.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit psychotherapeutischer Verfahren konnte in Studien zuverlässig nachgewiesen werden, wobei die meisten Belege für die Wirksamkeit bei leichter und mittelgradiger Depression vorliegen und mit denen einer medikamentösen Behandlung vergleichbar sind. Bei mittelgradigen bis schweren Depressionen setzt die Wirkung psychotherapeutischer Behandlung in der Regel etwas später ein als bei einer Behandlung mit Medikamenten und ist bei sehr schwer ausgeprägten Krankheitszeichen oft nicht alleine möglich. Hier sind Kombinationsbehandlungen (Psychotherapie und Medikamente) wirkungsstärker.

Weitere Therapieansätze

Bei einigen Betroffenen kann die depressive Symptomatik vorübergehend durch Wachtherapie (Schlafentzug) gebessert werden. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass durch ein vollständiges Vermeiden des Schlafes eine Besserung der Stimmung eintritt, die zwei bis drei Tage anhält.

Einigen Betroffenen, die regelmäßig in den Herbst- und Wintermonaten von depressiven Symptomen betroffen sind und zudem ein vermehrtes Schlafbedürfnis sowie auftretenden Heißhunger aufweisen, kann eine Lichttherapie von Nutzen sein. Dabei setzen sich die Betroffenen täglich (bis zu einer Woche) für 30 – 40 Minuten einer Lichttherapie-Lampe aus.

Online-Therapie

Nicht jeder Betroffene hat Zugang zu einer Therapie oder muss zum Teil sehr lange auf einen Therapieplatz warten. Bei diesem Problem setzen viele neue Entwicklungen im Therapiebereich an, die das Internet miteinbeziehen. Therapeutische Online-Angebote können die vorhandene Versorgungslücke schließen und eine zukunftsorientierte Ergänzung zur Behandlung von Depressionen darstellen.

Das Internet wird hierfür auf ganz unterschiedliche Weise genutzt, die Möglichkeiten reichen von einer Art Briefverkehr bis zu einer psychologischen Behandlung durch eine strukturierte Website (selbständig oder durch einen Psychotherapeuten begleitet) wie bei Novego. Allen gemein ist die therapeutische Kommunikation über das Internet, in anderen Ländern (z.B. England oder Holland) ist diese unkomplizierte, direkte und effiziente Therapieform schon gang und gäbe. Lesen Sie hier weiter über die verschiedenen Möglichkeiten und über die wissenschaftlichen Nachweise zur Wirksamkeit von Online-Therapie.

Folgen einer Nicht-Behandlung

Krankheitsverlauf und –dauer einer Depression sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Allen Depressionen gemein ist die Tatsache, dass sie auch ohne Behandlung nach einer bestimmten Zeit häufig wieder abklingen. In einigen Studien war das nach etwa sechs bis acht Monaten der Fall. Es kann sein, dass die Depression ohne Behandlung wiederkommt und die einzelnen Episoden dann länger andauern. Mit einer Behandlung, die auf die persönlichen Bedürfnisse und Voraussetzungen des Einzelnen abgestimmt ist, sind drei Viertel der Patienten nach im Schnitt etwa vier bis sechs Monaten wieder vollständig gesundet. Auch mit einer Behandlung kann eine Depression bei etwa der Hälfte der Betroffenen wiederkehren oder chronisch werden. Chronisch bedeutet, sie dauert zwei Jahre oder länger an. Dies ist bei zwei von zehn Patienten der Fall.

Prävention

Soziale und körperliche Aktivitäten, ausreichende Möglichkeiten zur Ruhe und Entspannung sowie stabile Tagesstrukturen und ausreichend Schlaf können hilfreiche Ansätze zur Vorbeugung von Depressionen sein.

Früherkennung

Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Depressionen aufweisen, sollten früh damit beginnen, ihre Kompetenzen im Umgang mit alltäglichen Belastungen, aber auch mit möglichen unerwarteten Krisensituationen zu fördern. Zur Risikogruppe zählen Menschen, die bereits früher Depressionen hatten, an körperlichen Erkrankungen leiden, einen gesteigerten Alkohol- oder Drogenkonsum aufweisen oder deren Familienangehörige starke emotionale Probleme hatten oder sich das Leben genommen haben. Sollte der Verdacht auf eine Depression bestehen, können Betroffene sich vertrauensvoll an ihren behandelnden Arzt oder einen Psychologen wenden, um Möglichkeiten der Früherkennung in Anspruch zu nehmen.

Soziale Aktivität

Kontakte und regelmäßiger Austausch mit anderen Menschen können helfen, einer Depression vorzubeugen. Rückzug ist meist ein erstes Symptom von Depression und kann durch die Isolation viele weitere depressive Symptome auslösen bzw. verstärken. Deswegen ist es entscheidend, auf ein konstantes Maß an sozialen Kontakten zu achten, vorhandene Kontakte zu pflegen und neue Kontakte aufzubauen.

Bewegung

Durch körperliche Aktivität wie Spazierengehen an der frischen Luft, Radfahren o.ä. kann das eigene Wohlbefinden gesteigert werden. Aber übertreiben sollten Sie es nicht – nur wer sich realistische Ziele setzt, kann unnötige Enttäuschungen vermeiden. Wichtig: Planen Sie neben der Aktivität auch genug Zeit für Ruhephasen ein.

Genuss und Entspannung

Achten Sie in Ihrem Alltag auf eine Balance zwischen Pflichten und angenehmen Aktivitäten. Dies ist für ihre Ausgeglichenheit und somit als Schutz vor Depressionen essentiell. Nehmen Sie sich Zeit für Genuss von Dingen, die Ihnen Freude bereiten und probieren Sie sich in Entspannungsverfahren, um in Ihr Leben immer wieder Momente des Innehaltens und Auftankens zu integrieren.

Stabile Tagesstrukturen

Klare Tagesstrukturen (feste Aufstehzeiten und regelmäßige Mahlzeiten) können äußerst hilfreich sein, um ein gesundes und ausgeglichenes Leben zu führen. In schriftlicher Form kann ein solcher Plan beispielsweise helfen, um Schlafprobleme zu lindern.

Ausreichend Schlaf

Der Schlaf spielt eine bedeutsame Rolle für unser körperliches und emotionales Wohlbefinden. Im Gegensatz zum therapeutischen Schlafentzug zur Stimmungsaufhellung bei einer aktuellen depressiven Störung kann regelmäßiger und ausreichender Schlaf als Schutz vor Depressionen wirken. Nutzen Sie unsere Regeln zur Schlafhygiene, um zu einem gesunden und erholsamen Schlaf zu finden.

Die eigenen Stärken stärken und die Schwächen schwächen

Da Depressionen häufig eine Reaktion auf eine starke Überforderung darstellen, ist es im Sinne der Prävention wichtig, sich die eigenen Stärken und Schwächen vor Augen zu führen. Betroffene verlieren in einer depressiven Phase oft die Fähigkeit, eigene Stärken als solche erkennen zu können und nehmen nur noch ihre eigenen vermeintlichen Fehler wahr. Menschen, die auf ihre Stärken stolz sind und ihre Schwächen kennen und akzeptieren, sind besser vor Depressionen geschützt, als Menschen, die dazu neigen, zu streng mit der eigenen Person ins Gericht gehen.

Häufige Fragen

Was sind Depressionen?

Depressionen sind eine psychische Erkrankung, unter der viele Menschen in Deutschland leiden. Die Erkrankung kann unter anderem zu Freudlosigkeit, starken Selbstzweifeln und im schlimmsten Fall zu Selbstmordgedanken oder –versuchen führen. Daher sind Depressionen sehr ernst zu nehmen und sollten nicht verharmlost oder verdrängt werden.

Wie finde ich einen Psychotherapeuten?

Es kann schwierig sein, den „richtigen“ Psychotherapeuten zu finden. Zum einen ist es häufig schwer, einen freien Termin zu bekommen. Zum anderen müssen Sie und der Psychotherapeut auch zueinander passen, wenn die Therapie Erfolg haben soll. Wichtig ist, dass Sie sich von anfänglichen Fehlschlägen nicht entmutigen lassen.

Sie können zum Beispiel Ihren Hausarzt, Ihre Krankenkasse oder Menschen in Ihrem persönlichen Umfeld um Hilfe bei der Suche bitten. Auch eine Poliklinik für psychische Erkrankungen oder die psychiatrische Ambulanz eines Krankenhauses kann eine erste Anlaufstelle für Sie sein. Daneben gibt es psychologische Beratungsstellen, die Sie aufsuchen können.

Wenn Ihnen die „anonyme“ Suche über das Internet lieber ist, dann können Ihnen die Suchdienste der Berufsgruppen und Fachverbände weiterhelfen (zum Beispiel der bundesweite Psychotherapeuten-Suchdienst).

Mir wurde gesagt, ich soll mich zusammenreißen. Heißt das, ich bin selbst Schuld, dass ich Depressionen habe?

Nein, niemand ist schuld an seiner Depression. Depression ist eine Erkrankung. Laut der Gesundheitsberichterstattung des Bundes aus dem Jahr 2010 werden depressive Erkrankungen in etwa der Hälfte der Fälle gar nicht festgestellt, da Betroffene häufig nicht zum Arzt gehen bzw. der Arzt die Depression nicht als solche erkennt. Betroffene fürchten sich vor dem Makel „psychische Erkrankung“ oder schämen sich, mit ihrer schlechten Stimmung nicht allein fertig zu werden.

Dabei ist eine psychische Erkrankung ebenso wie eine körperliche keine Frage von Schuld: Niemand würde sich schämen, wegen Rückenschmerzen einen Arzt aufzusuchen. Die Behandlung seelischer Erkrankungen gehört genauso zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen wie die Behandlung körperlicher Erkrankungen. Bei privaten Krankenkassen ist dies jeweils vom individuellen Versicherungsvertrag abhängig.

Gibt es verschiedene Formen von Depression?

Die Depression ist ein Krankheitsbild mit vielen Gesichtern. Einzelne depressive Phasen nennt man depressive Episoden. Diese können einmalig oder wiederholt auftreten. Bei mehr als der Hälfte der Ersterkrankungen kommt es im Laufe der Zeit zu einer erneuten Erkrankung (Rezidiv). Zwischen zwei depressiven Episoden können Jahre vergehen, sie können aber auch innerhalb eines kurzen Zeitraums gehäuft auftreten.

Von einer chronischen Depression spricht man, wenn die depressiven Anzeichen mehr als zwei Jahre andauern. Eine vollständige Wiederherstellung der psychischen Gesundheit nennt man Remission (Genesung).

Was gibt es für Möglichkeiten der Selbsthilfe bei Depression?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten der Selbsthilfe bei Depression. Besonders bei leichten depressiven Symptomen gibt es einige einfache Anregungen, die man selber umsetzen kann. Aber auch bei stärker ausgeprägten Symptomen können Betroffene Unterstützung durch Selbsthilfegruppen erfahren oder Hilfe zur Selbsthilfe durch Online-Angebote finden. Lesen Sie hier weiter zu Möglichkeiten der Selbsthilfe bei Depression.

Was ist Dysthymie?

Von einer Depression abzugrenzen ist die Dysthymie, eine anhaltende getrübte Stimmung, die das Befinden zwar beeinträchtigt, aber nicht so stark wie eine depressive Episode.

Was ist eine postpartale Depression?

Eine postpartale Depression ist eine Depression, die bei Frauen auftreten kann, die ein Kind entbunden haben. Diese Erkrankung kann noch bis zu zwei Jahre nach der Geburt des Kindes auftreten und ist dringend behandlungsbedürftig. Oft wird diese Erkrankung auch als postnatale Depression (postnatal = nach der Geburt) bezeichnet.

Was ist eine Winterdepression?

Bei der so genannten Winterdepression treten depressive Symptome nur im Herbst und Winter, also während der dunklen Jahreszeit auf und gehen während des Frühjahrs und des Sommers wieder zurück. Für diese depressive Erkrankungsart hat sich die Behandlung mit einer künstlichen Lichtquelle (Lichttherapie) als wirksam erwiesen.

Jemand, der mir nahe steht, hat Depression. Was kann ich tun?

Einen Menschen, der einem nahe steht, leiden zu sehen ist schwer. Es kann Ihnen helfen, wenn Sie sich bewusst machen, dass Sie als Angehöriger zwar unterstützen, aber nicht heilen können. Hilfreich für den Betroffenen ist es zum Beispiel, wenn Sie zunächst einmal Verständnis für seine Situation und seine Gefühle aufbringen. Wenn Sie ihn in seiner Erkrankung ernst nehmen, ohne zu dramatisieren und ihm gleichzeitig vermitteln, dass Hilfe möglich ist und es ihm in Zukunft wieder besser gehen wird.

Deshalb ist es so wichtig, dass Sie ihn in seiner Entscheidung unterstützen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Viele Betroffene haben große Angst, dann als „verrückt“ zu gelten und von ihrem Umfeld abgelehnt oder verlacht zu werden. Machen Sie klar, dass solche Befürchtungen nicht gerechtfertigt sind. Vielleicht kennen Sie auch Beispiele anderer Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung behandelt werden oder wurden und die davon profitieren.

Sie können dem Betroffenen eine große Stütze sein, wenn Sie ihn bei Dingen unterstützen wie z.B. wieder mit kleinen Aktivitäten zu beginnen, einen Spaziergang zu machen, sich ein wenig zu bewegen, miteinander zu reden. Oder etwas zu tun, was ihm Freude bringt, zum Beispiel Musik hören, ein Bild ansehen o.ä.. Dabei werden Sie vielleicht zurückgewiesen werden. Doch nehmen Sie das bitte nicht persönlich! Die Zurückweisung zielt nicht auf Sie als Person, sondern ist der Erkrankung geschuldet.

Nicht immer ist der andere in der Lage, Ihre Vorschläge anzunehmen. Wenn Sie das respektieren, ohne Ihre Versuche aufzugeben, helfen Sie ihm sehr. Auf keinen Fall sollten Sie versuchen, einem depressiven Menschen seine Erkrankung zu erklären, sie herunterzuspielen oder gut gemeinte Ratschläge zu geben. Das alles signalisiert ihm, dass Sie ihn und seine Erkrankung nicht ernst nehmen, auch wenn Sie es ganz anders meinen.

Jemand, der mir nahe steht, hat Depression. Ich fühle mich selbst sehr belastet davon. Was kann ich tun, um nicht auch selbst den Mut zu verlieren?

Eine Depression belastet nicht nur den Betroffenen, sondern auch Partnerschaft, Familie und Freunde. Als Angehörige sind Sie in einer schwierigen Situation: Sie wollen helfen und unterstützen und brauchen gleichzeitig vielleicht selbst Hilfe und Unterstützung. Wenn ein Mensch, der Ihnen nahe steht, unter Depressionen leidet, kann das bedeuten, dass Sie selbst auf vieles verzichten. Auf Dinge, die Ihnen lieb sind, wie Hobbies, Sport, Kontakte, Kultur. Es mag Ihnen egoistisch erscheinen, dass Sie sich vergnügen, während der andere leidet. Doch damit ist dem Betroffenen nicht geholfen.

Wenn Sie nicht auf sich selbst achten, werden Sie bald keine Kraft mehr haben, für den anderen da zu sein. Der Umgang mit einer chronischen schweren Erkrankung ist für Angehörige eine Herausforderung. Sie können sich selbst Hilfe holen. Sie haben auch die Möglichkeit, sich psychotherapeutische Unterstützung zu suchen, um diese belastende Situation zu verarbeiten. Es gibt inzwischen zahlreiche Selbsthilfegruppen für Angehörige. Wer viel hilft, darf sich zugestehen, auch selber Hilfe in Anspruch zu nehmen, um nicht auszubrennen. Alles, was Sie entlastet, hilft auch dem Angehörigen, um den Sie sich sorgen!

Jemand, der mir nahe steht, hat Depression. Ich soll zu einem Paar-/Familiengespräch mitkommen. Was bedeutet das?

Falls es dazu kommt, dass der Arzt oder Psychotherapeut Ihres Partners Sie zu einem Paar- oder Familiengespräch einlädt, dient das niemals dazu, Schuld zu verteilen, sondern Prozesse und Belastungen aller Beteiligten besser zu verstehen und gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Hierzu ist es sinnvoll, die wichtigsten Bezugspersonen des Betroffenen in die Therapie miteinzubeziehen.

Jemand, der mir nahe steht, hat Depression. Es gab bereits Situationen in denen ich große Angst hatte, dass er sich etwas antut. Was kann ich im Notfall tun?

Hören Sie zu und nehmen Sie alle Äußerungen oder Beobachtungen sehr ernst. Versuchen Sie, das Gespräch in Gang zu halten, und rufen Sie Notarzt und/oder Polizei. Lassen Sie den Verzweifelten nicht allein, bis Hilfe eintrifft, und beseitigen Sie gefährliche Gegenstände aus dem direkten Umfeld.

Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung kann eine Einweisung ins Krankenhaus auch gegen den Willen des Betroffen nötig sein. Für diesen Notfall ist die Polizei zuständig. Die Zwangseinweisung ist ein schwieriger, allerletzter Ausweg, um Schlimmeres zu verhindern: nämlich Fremd- oder Selbstgefährdung. Das bedeutet, dass das Leben oder die körperliche Unversehrtheit des Betroffenen beziehungsweise einer anderen Person gefährdet ist. Dann handelt es sich um einen Notfall. Am wenigsten eingreifend ist es für alle Beteiligten, wenn Angehörige oder Freunde den Betroffenen selbst in das zuständige psychiatrische Krankenhaus bringen. Wenn der Patient sich jedoch weigert, hat es keinen Sinn, einen Krankenwagen zu rufen. Rettungssanitäter dürfen nicht gegen den Willen des Betroffenen handeln und ihn zwangsweise transportieren. Hierfür ist die Polizei zuständig.

Leben mit Depressionen

Die fünf wichtigsten Tipps zum täglichen Umgang mit Depression

  1. Depression ist eine weitverbreitete Erkrankung, die gut behandelt werden kann.
  2. Der wichtigste Schritt, den Betroffene machen können, ist der Gang zum Arzt oder Psychologen.
  3. Es gibt keinen Grund, sich für Depressionen zu schämen oder zu verstecken.
  4. Gedanken an Selbstmord müssen immer sehr ernst genommen werden und erfordern sofortige ärztliche Hilfe.
  5. Depressionen sind oft von anderen psychischen Erkrankungen begleitet und äußern sich nicht selten auch über körperliche Symptome, wie Schlafstörungen oder Schmerzen.

Selbsthilfe bei Depressionen

Eine Depression ist keine persönliche Schwäche, sondern eine gut behandelbare Erkrankung.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten der Selbsthilfe, wie sich Betroffene in der Depression selbst helfen und gegenseitig unterstützen können (z.B. Selbsthilfe durch Online-Therapie oder Selbsthilfegruppen).

Besonders bei leichten Depressionen gibt es einige einfache Anregungen, die man selber umsetzen kann. Man sollte – wenn dies irgendwie möglich ist – akute Stress- und Belastungsfaktoren reduzieren. Ein regelmäßiger Tagesablauf, ausreichender und erholsamer Schlaf sowie Sport und Bewegung (am besten an der frischen Luft) können bei Depressionen helfen, die Stimmung und das Wohlbefinden wieder zu verbessern.

Häufig ist auch schon das Gefühl, mit den eigenen Problemen nicht alleine zu sein, eine große Hilfe bei Depressionen. Ein ausgewogenes Maß an Kontakten zu Freunden oder Familienangehörigen und das Unternehmen von schönen Aktivitäten können Stützen gegen die Depression sein und sind genau so wichtig wie Phasen von Ruhe und Entspannung.

Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen gibt es für nahezu alle psychischen Erkrankungen – für Betroffene und Angehörige. Auch bei Depression können Selbsthilfegruppen aufgrund des Austauschs mit anderen Menschen und ihren persönlichen Erfahrungen helfen, die Depression als Erkrankung zu begreifen und Unterstützung zu erfahren. Meist erhält man hier auch wertvolle Anregungen und weitere Informationen und Tipps zur Selbsthilfe.

Selbsthilfe durch Online-Therapie

Eine weitere Strategie zur Selbsthilfe bei Depression ist die Nutzung von therapeutischen Online-Angeboten. Das Internet wird auf ganz unterschiedliche Weise zur Selbsthilfe genutzt – die Möglichkeiten reichen von einer Art Briefverkehr bis zu einer psychologischen Behandlung durch eine strukturierte Website wie novego. novego ermöglicht, dass Sie sich in ihrer Erkrankung verstanden und unterstützt fühlen. Endlich können Sie das eigene Schicksal wieder in die Hand nehmen, aktiv werden und sich vom Leidensdruck der Depression befreien.

Weiterführende Links und Quellen