Behandlung einer Depression
Eine Depression ist in den meisten Fällen gut behandelbar – mit wissenschaftlich fundierten Therapieformen, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden. Hier erfahren Sie, welche Rolle Psychotherapie, Medikamente und digitale Angebote wie DiGA in der Behandlung spielen und wie ein Therapieverlauf typischerweise aussieht.
Wie wird eine Depression behandelt?
Eine Depression ist in den meisten Fällen gut behandelbar. Ziel jeder Therapie ist es, Betroffene in akuten Belastungssituationen zu stabilisieren, gemeinsam die Ursachen für die Depression zu erarbeiten und Schritt für Schritt den Weg zurück in ein erfülltes Leben zu finden.
Zentrale Therapieformen
Zur Behandlung einer Depression stehen mehrere wirksame Optionen zur Verfügung, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können1:
- Hilfe zur Selbsthilfe, z. B.Schulungen, beratende Gespräche oder Selbsthilfe-Bücher
- Online-Programme oder Apps
- Psychotherapie
- Medikamentöse Therapie
- Weitere Behandlungsansätze, z. B. Elektrokonvulsionstherapie oder transkranielle Magnetstimulation
- Unterstützungsangebote, z. B. Ergo- oder Soziotherapie
- Unterstützende Maßnahmen, z. B. Sport- und Bewegungstherapie, Lichttherapie, Schlafentzugstherapie
Welche Behandlung gewählt wird, hängt vom Schweregrad der Erkrankung, dem bisherigen Krankheitsverlauf, möglichen Begleiterkrankungen, eingenommenen Medikamenten sowie vom Alter und den persönlichen Wünschen der betroffenen Person ab. Entscheidend ist, dass die Therapie den größtmöglichen Nutzen bringt. Ein hoher Preis oder eine neue Methode bedeuten nicht automatisch eine bessere Qualität der Behandlung. Betroffene sollten gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten eine individuell passende Behandlung erörtern.
Im Folgenden stellen wir Ihnen die häufigsten Therapieformen kurz vor.
Psychotherapie
Die Psychotherapie ist eine wissenschaftlich fundierte Behandlungsmethode zur Linderung und Heilung seelischer Krankheiten. Eine Psychotherapie kann helfen, die mit der Depression zusammenhängenden Probleme, zu erkennen und zu bearbeiten, persönliche Ressourcen zu stärken und die Lebensqualität langfristig zu verbessern. Das wichtigste Hilfsmittel dafür ist das therapeutische Gespräch mit einem Psychotherapeuten.
In Deutschland finanzieren die gesetzlichen Krankenkassen ambulant nur die vier sogenannten Richtlinienverfahren. Dazu gehören2:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Ziel ist es, belastende Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern, indem positive Aktivitäten gefördert, Rückzug und Grübeln abgebaut und soziale Kompetenzen gestärkt werden. Dabei wird primär das Hier und Jetzt fokussiert. Weiterentwicklungen sind die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (Mindfulness Based Cognitive Therapy, MBCT) und das Cognitive Behavioral Analysis System for Psychotherapy (CBASP).
- Psychodynamisch begründete Verfahren: Ziel ist das Aufdecken und Bearbeiten unbewusster Konflikte, die oft in der Kindheit entstanden sind. Der Patient soll lernen, Gefühle zu verstehen, sich innere Konflikte bewusst machen und seine Selbstwahrnehmung und Beziehungsfähigkeit verbessern. Es wird zwischen der analytischen Psychotherapie und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie unterschieden.
- Systemische Therapie: Hier liegt der Fokus auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen, indem Angehörige einbezogen, Ressourcen im sozialen Umfeld gestärkt und ungünstige Muster in Beziehungen und Kommunikation verändert werden.
Wissenschaftlich anerkannt sind auch die Interpersonelle Psychotherapie und Gesprächspsychotherapie, die allerdings nicht von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden.
Die ambulante Psychotherapie kann innerhalb verschiedener Settings erfolgen – als Einzeltherapie, Gruppentherapie oder in Mehrpersonensettings, z. B. als Paartherapie oder Familientherapie.
Die Wirksamkeit einer Psychotherapie hängt unter anderem vom Schweregrad der Depression ab. Bei leichten oder mittelschweren Depressionen kann eine alleinige Behandlung mit Psychotherapie helfen. Bei einer schweren Depression ist oft eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten am wirksamsten, um die Beschwerden zu verbessern. Wann eine Besserung einsetzt, ist von Person zu Person unterschiedlich – meist ist dies nach einigen Wochen oder Monaten der Fall.3
Medikamentöse Therapie mit Antidepressiva
Antidepressiva sind Medikamente, die bei Depressionen eingesetzt werden und auch „Stimmungsaufheller“ genannt werden. Sie wirken auf den Hirnstoffwechsel, indem sie das Gleichgewicht bestimmter Botenstoffe wie Serotonin und Noradrenalin beeinflussen. Dadurch können depressive Beschwerden gelindert werden.
Die Wirkung von Antidepressiva wird in wissenschaftlichen Studien geprüft. Bislang zeigten die Ergebnisse, dass viele Betroffene durch die Medikamente eine Symptomverbesserung erfahren. Ein Teil der Wirkung geht übrigens auch auf Placeboeffekte zurück – das heißt auf positive Erwartungen oder andere unspezifische Faktoren.
Antidepressiva wirken nicht sofort. Erste Verbesserungen können nach etwa 2 Wochen spürbar sein, die volle Wirkung tritt meist nach 3 bis 4 Wochen ein. Allerdings sprechen nicht alle Betroffenen gleich gut auf die Medikamente an. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Therapie gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin anzupassen. Manche Hausärzte sind mit Antidepressiva gut vertraut, jedoch ist es in der Regel empfehlenswert, sich direkt an entsprechende Fachärzte, also Psychiater, zu wenden. Zum Teil können hier auch Neurologen aufgesucht werden.
Es gibt verschiedene Arten von Antidepressiva, die gegen Depressionen helfen können. Einige steigern den Antrieb, während andere eher beruhigen.4
Online-Therapieprogramme und „Apps auf Rezept“
Online-Therapieprogramme, Selbsthilfeprogramme oder Apps können eine wertvolle Unterstützung bei der Behandlung einer Depression und anderer psychischer Erkrankungen sein. Sie lassen sich bequem am Computer, Smartphone oder Tablet bearbeiten, können orts- und zeitunabhängig genutzt werden und lassen sich so flexibel in den Alltag integrieren. Allerdings ist die Auswahl an Anwendungen groß, viele davon entsprechen nicht den wissenschaftlichen Standards oder beruhen nicht auf wissenschaftlich anerkannten Verfahren. Zudem kann es Schwachstellen beim Datenschutz geben. Wir empfehlen Ihnen deshalb, sich vorab ärztlich oder psychotherapeutisch untersuchen zu lassen, um sicherzustellen, dass die Anwendung die Behandlung sinnvoll ergänzt und Ihre Symptome nicht verschlechtert.5
Besonders sicher sind sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Hierbei handelt es sich um staatlich geprüfte „Apps auf Rezept“, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) umfassend geprüft und zugelassen werden. Hierfür müssen die Wirksamkeit in klinischen Studien nachgewiesen werden und hohe Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Datenschutz erfüllt sein – nur dann wird das Therapieprogramm in das offizielle DiGA-Verzeichnis aufgenommen und kann von Ärzten und Psychotherapeuten auf Rezept verschrieben werden. Die Kosten werden dann von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Eine Übersicht der zugelassenen DiGA finden Sie im offiziellen DiGA-Verzeichnis unter diga.bfarm.de.
Aktuelle Metaanalysen zeigen, dass Online-Therapieangebote die Symptome psychischer Erkrankungen effektiv lindern können – mit Erfolgsraten vergleichbar zur klassischen Face-to-Face-Therapie.6 Besonders begleitete Online-Therapieprogramme erzielen ähnlich gute Ergebnisse wie eine Psychotherapie vor Ort.7 Durch regelmäßige Kontrolltermine bei einem Arzt oder Psychotherapeuten sollte überprüft werden, ob die digitale Behandlung im vorliegenden Fall sinnvoll ist und ob die gemeinsam gesetzten Therapieziele erreichbar erscheinen.
Novego „Depressionen bewältigen“ – Online-Therapie bei Depression
Unser Online-Therapieprogramme bei Depression ist offiziell als DiGA zugelassen und kostenfrei auf Rezept erhältlich. Unabhängige, randomisiert-kontrollierte Studien belegen die Wirksamkeit: Bereits nach zwölf Wochen reduzieren sich die Symptome einer Depression signifikant. Novego ist seit über 15 Jahren auf dem Markt etabliert und vertrauenswürdiger Partner vieler Krankenkassen und -versicherungen.
Therapieziele
Die Behandlung einer Depression verfolgt stets mehrere Ziele, die sich in verschiedene Bereiche, wie in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt, unterteilen lassen. Anhand von Depressivitätsskalen, wie z. B. dem PHQ-9 Fragebogen, und Endpunkten, wie z. B. Symptomveränderungen, der Zeit bis zu einer Remission oder einem Rückfall, Krankschreibungen und AU-Tagen, werden die verschiedenen Ziele messbar gemacht.
Diese Tabelle zeigt Therapieziele nach Bereichen geordnet.
| Bereich | Therapieziele |
|---|---|
| Klinisch |
|
| Existenziell |
|
| Funktionale Dimension |
|
| Sozial |
|
| Körperlich |
|
Behandlungsziele bei depressiven Störungen8
Die Symptome der Depression sollen so weit gelindert werden, dass die Betroffenen ihr seelisches Gleichgewicht wiederfinden und in der Lage sind, ihren sozialen wie beruflichen Alltag aktiv, selbstständig und überwiegend mit Freude und Erfolg zu bewältigen. Darüber hinaus soll eine Therapie die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall oder eine spätere Wiedererkrankung so gering wie möglich halten.
Behandlungsphasen
Die Behandlung einer Depression lässt sich grundsätzlich in drei Phasen einteilen:
In der Akuttherapie geht es darum, die Symptome der gegenwärtigen depressiven Episode zu behandeln, so dass diese komplett zurückgehen oder sich zumindest stark reduzieren. Die Dauer dieser Phase kann demnach stark variieren. Zudem soll die berufliche und soziale Leistungsfähigkeit und Teilhabe wiederhergestellt werden.
Durch eine Weiterführung der gewählten medikamentösen Behandlung über etwa 4 bis 9 Monate und eine anschließende oder bereits parallel beginnende und dann fortgesetzte psychotherapeutische Behandlung, die sogenannte Erhaltungstherapie, soll der oft noch instabile Zustand des Patienten weiter stabilisiert und das Rückfallrisiko reduziert werden. Es ist also wichtig, die gewählte Behandlung nicht vorschnell abzubrechen, sobald eine Linderung der Beschwerden oder eine vollständige Symptomremission eingetreten ist, sondern den ursächlichen und aufrechterhaltenden Bedingungen der Depression auf den Grund zu gehen und kontinuierlich an diesen zu arbeiten.
In bestimmten Fällen schließt sich an die Weiterführungs- bzw. Erhaltungsphase eine weitere Behandlung an, die sogenannte Rezidivprophylaxe, bei der das Ziel verfolgt wird, einem erneuten Auftreten nach vollständiger Genesung vorzubeugen. Die Behandlung kann sich über ein Jahr oder länger erstrecken und wird insbesondere dann empfohlen, wenn ein Patient mit Depression schon mehrere Rückfälle erlebt hat, während der depressiven Phase sehr stark eingeschränkt war oder an einer chronischen Depression leidet.9
Folgen einer Nicht-Behandlung
Auch ohne Behandlung kann eine depressive Episode nach einiger Zeit wieder abklingen – im Durchschnitt nach etwa sechs bis acht Monaten. Bleibt eine Depression unbehandelt, erhöht sich jedoch das Risiko, dass sie erneut auftritt und länger anhält. Mit einer geeigneten Therapie kann die Dauer einer Episode deutlich verkürzt werden: Sie beträgt dann im Durchschnitt rund 16 Wochen. Insgesamt betrachtet ist der Krankheitsverlauf jedoch sehr individuell und kann in Dauer und Schwere stark variieren.
Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). „Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung“. Version 3.2 (2022): 21–175. https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-005l_S3_Unipolare-Depression_2023-07.pdf.
Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). „Patientenleitlinie Unipolare Depression – Langfassung“. Version 3.0 (2024): 38–57. https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-005p-ll1_S3_Unipolare_Depression_2025-01.pdf.
Carlbring, Per, Gerhard Andersson, Pim Cuijpers, Heleen Riper, und Erik Hedman-Lagerlöf. „Internet-Based vs. Face-to-Face Cognitive Behavior Therapy for Psychiatric and Somatic Disorders: An Updated Systematic Review and Meta-Analysis“. Cognitive Behaviour Therapy 47, Nr. 1 (7. Dezember 2017): 1–18. https://doi.org/10.1080/16506073.2017.1401115.
Hedman‐Lagerlöf, Erik, Per Carlbring, Frank Svärdman, Heleen Riper, Pim Cuijpers, und Gerhard Andersson. „Therapist‐supported Internet‐based Cognitive Behaviour Therapy Yields Similar Effects as Face‐to‐face Therapy for Psychiatric and Somatic Disorders: An Updated Systematic Review and Meta‐analysis“. World Psychiatry 22, Nr. 2 (9. Mai 2023): 305–14. https://doi.org/10.1002/wps.21088.
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