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| Veröffentlicht am 23. Juli 2026

Panikstörung ICD-10: Welche Kriterien gelten für die Diagnose?

Die Panikstörung wird im ICD-10 unter dem Code F41.0 klassifiziert. Für die Diagnose müssen wiederkehrende, unvorhergesehene Panikattacken auftreten, die nicht auf eine bestimmte Situation oder ein bestimmtes Objekt beschränkt sind, und es muss eine anhaltende Sorge vor weiteren Attacken bestehen. Dieser Artikel erklärt, welche Kriterien genau gelten, wie Ärzte die Diagnose stellen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Welche Symptome müssen für eine Panikstörung vorliegen?

Für die Diagnose einer Panikstörung nach ICD-10 müssen innerhalb eines Monats mehrere schwere Panikattacken aufgetreten sein, die plötzlich einsetzen, innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt erreichen und mit mindestens vier körperlichen oder psychischen Symptomen einhergehen. Die Attacken dürfen nicht durch eine bekannte körperliche Erkrankung oder eine andere psychische Störung erklärbar sein.

Zu den typischen Symptomen, die im Rahmen einer Panikattacke auftreten können, zählen:

  • Herzrasen oder starkes Herzklopfen
  • Atemnot oder das Gefühl, zu ersticken
  • Schwindel oder Benommenheit
  • Zittern oder Beben
  • Schwitzen oder Hitzewallungen
  • Übelkeit oder Magenprobleme
  • Taubheits- oder Kribbelgefühle
  • Schmerz oder Beklemmungsgefühl im Brustraum
  • Wirklichkeitsverlust oder das Gefühl, sich selbst fremd zu sein
  • Todesangst oder die Angst, die Kontrolle zu verlieren

Besonders kennzeichnend für die Panikstörung ist die sogenannte Angst vor der Angst: Betroffene fürchten sich zunehmend vor der nächsten Attacke und beginnen, bestimmte Situationen zu vermeiden, um das Risiko einer erneuten Panikattacke zu verringern. Dieses Vermeidungsverhalten kann den Alltag erheblich einschränken und ist ein wichtiges diagnostisches Merkmal.

Was ist der Unterschied zwischen einer Panikattacke und einer Panikstörung?

Eine Panikattacke ist ein einzelnes, zeitlich begrenztes Ereignis mit intensiven Angst- und Körpersymptomen. Eine Panikstörung hingegen liegt vor, wenn solche Attacken wiederholt und unerwartet auftreten und die betroffene Person dauerhaft unter der Sorge vor weiteren Attacken leidet oder ihr Verhalten entsprechend verändert. Die Panikattacke ist also ein Symptom, die Panikstörung eine eigenständige Diagnose.

Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine Panikattacke, ohne dass daraus eine Panikstörung entsteht. Entscheidend für die Diagnose ist das Muster: Treten die Attacken regelmäßig auf, ohne einen erkennbaren äußeren Auslöser, und führen sie zu einer anhaltenden inneren Unruhe oder zu Veränderungen im Alltag, spricht man von einer Panikstörung.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Reaktion nach der Attacke. Wer nach einer einzelnen Attacke wieder zur Tagesordnung übergehen kann, erfüllt die Kriterien für eine Panikstörung in der Regel nicht. Wer jedoch beginnt, Orte, Situationen oder Aktivitäten zu meiden, aus denen eine Flucht schwierig erscheint, zeigt ein typisches Muster der Panikstörung.

Wie wird eine Panikstörung nach ICD-10 vom Arzt diagnostiziert?

Die Diagnose einer Panikstörung nach ICD-10 (F41.0) stellt ein Arzt oder eine Psychotherapeutin auf Basis eines ausführlichen Gesprächs sowie standardisierter Fragebögen. Zunächst werden körperliche Ursachen wie Herzerkrankungen oder Schilddrüsenstörungen ausgeschlossen, bevor die psychische Diagnose gestellt wird. Das Vorliegen von mindestens drei bis vier Panikattacken innerhalb von vier Wochen ist ein zentrales Diagnosekriterium.

Im diagnostischen Gespräch werden unter anderem folgende Aspekte erfasst:

  • Häufigkeit, Dauer und Intensität der Panikattacken
  • Vorhandensein von Vermeidungsverhalten
  • Ausmaß der Beeinträchtigung im Alltag, bei der Arbeit oder in sozialen Beziehungen
  • Vorgeschichte anderer psychischer oder körperlicher Erkrankungen
  • Medikamenten- oder Substanzgebrauch, der Symptome erklären könnte

Ärzte nutzen häufig auch validierte Selbstauskunftsinstrumente, um den Schweregrad der Symptome einzuschätzen. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Symptome auf eine Angststörung hinweisen könnten, kann ein Selbsttest bei Angst eine erste Orientierung bieten. Er ersetzt jedoch keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose.

Welche anderen Angststörungen werden häufig mit einer Panikstörung verwechselt?

Die Panikstörung wird im klinischen Alltag am häufigsten mit der Agoraphobie, der generalisierten Angststörung und der sozialen Phobie (Sozialphobie) verwechselt, da sich die Symptome überschneiden können. Eine sorgfältige Differenzialdiagnose durch Fachpersonal ist daher wichtig, da sich die Behandlungsansätze je nach Diagnose unterscheiden können.

Agoraphobie und Panikstörung

Agoraphobie und Panikstörung treten häufig gemeinsam auf, sind aber unterschiedliche Diagnosen. Bei der Agoraphobie steht die Angst vor bestimmten Situationen im Vordergrund, aus denen eine Flucht schwierig wäre, etwa öffentliche Verkehrsmittel, Menschenmengen oder weite Plätze. Die Panikattacken entstehen hier oft situationsgebunden. Bei der Panikstörung hingegen treten die Attacken unvorhergesehen und ohne klaren Auslöser auf.

Sozialphobie und generalisierte Angststörung

Die Sozialphobie ist durch eine ausgeprägte Angst vor sozialen Situationen und der Bewertung durch andere gekennzeichnet. Panikähnliche Symptome können auch hier auftreten, sind aber auf soziale Kontexte beschränkt. Die generalisierte Angststörung hingegen zeigt sich als anhaltende, schwer kontrollierbare Sorge über viele Lebensbereiche, etwa Angst vor Krankheiten, Verlustangst oder Angst vor Arbeit und Leistungsdruck, ohne die typischen abgrenzbaren Panikattacken. Auch Zwangsgedanken können im Rahmen einer Zwangsstörung auftreten und mit Angstsymptomen einhergehen, werden aber separat klassifiziert.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es nach einer Panikstörung-Diagnose?

Nach der Diagnose einer Panikstörung stehen verschiedene evidenzbasierte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Als besonders wirksam gilt die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die darauf abzielt, angstverstärkende Denkmuster zu erkennen und zu verändern sowie schrittweise den Umgang mit Angstsituationen zu üben. In bestimmten Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein.

Zu den zentralen Behandlungsansätzen zählen:

  • Kognitive Verhaltenstherapie: Arbeit an angstauslösenden Gedanken und schrittweiser Abbau von Vermeidungsverhalten
  • Expositionsübungen: Gezieltes Aufsuchen angstbesetzter Situationen unter therapeutischer Begleitung
  • Atemtechniken und Achtsamkeit: Strategien zur Regulation körperlicher Angstsymptome
  • Medikamentöse Therapie: In Absprache mit einem Arzt, etwa mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs)
  • Psychoedukation: Verstehen, wie Angst im Körper entsteht und warum sie körperlich so intensiv erlebt wird

Viele Betroffene profitieren davon, verschiedene Ansätze zu kombinieren. Wichtig ist, dass die Behandlung auf die individuelle Situation abgestimmt wird. Veränderungen brauchen Zeit und aktive Mitarbeit. Ein erster Schritt kann sein, sich an die Hausarztpraxis zu wenden und von dort eine Überweisung zu einem Psychiater oder einer Psychotherapeutin zu erbitten.

So kann Novego bei Angst und Panikstörung unterstützen

Wer nach einer Diagnose auf einen Therapieplatz wartet oder eine laufende Behandlung ergänzen möchte, kann von einem strukturierten Online-Programm profitieren. Unser Online-Therapieprogramm bei Angst ist im DiGA-Verzeichnis des BfArM gelistet und für gesetzlich Versicherte kostenfrei auf Rezept erhältlich.

Das Programm kann unter anderem bei folgenden Themen unterstützen:

  • Panikstörung, Agoraphobie, Sozialphobie und weitere Angstdiagnosen
  • Erkennen und Verändern angstverstärkender Gedankenmuster auf Basis der kognitiven Verhaltenstherapie
  • Strategien zum Umgang mit körperlichen Angstsymptomen wie Herzrasen, Schwindel oder Atemnot
  • Abbau von Vermeidungsverhalten im eigenen Tempo
  • Flexible Nutzung von zu Hause aus, wöchentliche Module über 6 Wochen mit 365 Tagen Zugriff

Die Wirksamkeit des Programms wurde in Studien untersucht. Ergebnisse können individuell unterschiedlich sein, und das Programm ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, sondern kann eine wertvolle Ergänzung dazu sein. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an und fragen Sie nach einem Rezept für Novego.

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