Symptome und Diagnose einer Depression
Eine Depression hat viele Gesichter und kann sich individuell sehr unterschiedlich äußern. Nicht immer liegen alle Symptome gleichzeitig vor. Manche Betroffene sind ruhelos, ständig in Bewegung und unfähig, Pausen zu machen, geschweige denn diese zu genießen. Andere fühlen sich antriebslos, überfordert und können sich zu nichts aufraffen.
Was sind typische Symptome einer Depression?
Nach ICD-10 wird zwischen den folgenden Haupt- und Nebensymptomen einer Depression unterschieden1 2:
Haupt- und Nebensymptome einer depressiven Episode gemäß ICD-10
Die Hauptsymptome der Depression erklärt:
- Gedrückte Stimmung: Betroffene erleben anhaltende Niedergeschlagenheit, gedrückte Stimmung oder innere Leere – eine Stimmung, die über Wochen hinweg nahezu durchgängig präsent ist und sich nicht durch positive Ereignisse aufhellen lässt.
- Interessenverlust, Freudlosigkeit: Das Interesse an Aktivitäten, die früher Freude bereitet haben, geht verloren. Es fehlt die emotionale Resonanz: selbst nahe und vertraute Themen, wie Hobbies, der Beruf, Unternehmungen mit dem Freundeskreis oder der Familie wirken gleichgültig.
- Verminderung des Antriebs, erhöhte Ermüdbarkeit: Bei Menschen mit Depression ist der Antrieb häufig gestört. Betroffene fühlen sich erschöpft und ausgelaugt, alltägliche Aufgaben wie das Einkaufen, Aufräumen oder Arbeiten sind entweder mit großer Überwindung verbunden, führen schnell zu Ermüdungszuständen oder können gar nicht mehr eigenständig bewältigt werden.
Die Nebensymptome der Depression erklärt:
- Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen: An Depression erkrankte Menschen haben fast immer ein beeinträchtigtes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Die Fürsorge und Zuneigung anderer Menschen wird oft als nicht verdient empfunden und sie trauen sich selbst Vieles nicht mehr zu.
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Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit: Bei negativen Ereignissen neigen Betroffene dazu, die Schuld vor allem bei sich selbst zu suchen. Auch bei objektiv geringem Anlass sind die Schuldgefühle stark ausgeprägt.
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Hoffnungslosigkeit in Bezug auf die Zukunft: Die Zukunft erscheint ohne Perspektive. Betroffene können sich kaum vorstellen, einmal wieder Freude oder Sinn zu empfinden und sehen häufig keinen Ausweg aus ihrer Situation.
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Suizidgedanken/-handlungen: Um der als aussichtslos empfundenen Situation zu entkommen, kann bei Menschen mit schwerer Depression der Gedanke aufkommen, nicht mehr leben zu wollen, bis hin zu konkreten Suizidhandlungen, was die Krankheit oft lebensbedrohlich macht. Man bezeichnet dies auch als Suizidalität.
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Veränderter Appetit: Depressive Menschen reagieren oft mit einer Veränderung der Essgewohnheiten. Einige verlieren das Interesse am Essen, was zu Gewichtsverlust führen kann, andere kompensieren emotional durch vermehrte Nahrungsaufnahme.
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Schlafstörungen: Auch Schlafstörungen, häufig Einschlafstörungen oder Durchschlafstörungen mit häufigem Erwachen in der Nacht oder frühzeitiges Aufwachen am Morgen (zwei oder mehr Stunden vor der gewohnten Zeit), sowie regelhafte Morgentiefs sind typische Symptome einer Depression.
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Psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung: Betroffene einer Depression können an starker innerer Unruhe leiden, die sich in motorischer Aktivität wie Zappeln, Zittern, Hin- und Herlaufen oder handlungslosen Bewegungen äußern kann. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch das Phänomen der psychomotorischen Verlangsamung (Retardierung), die mit einer deutlich verlangsamten Bewegung und Sprache, sowie nahezu regungslosen Gesichtsausdrücken einhergehen kann.
Typische Warnsignale und Anzeichen für Suizidgefährdung3 4:
- Akute psychische Krise mit Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung
- Direktes oder indirektes Ansprechen von Suizidgedanken, Beschäftigung mit Sterbemethoden oder -mitteln
- Sozialer Rückzug, Aufgeben von Aktivitäten
- Verabschiedungen, Verschenken von persönlichen Gegenständen, Verfassen eines Testaments
- Änderungen von wichtigen Gewohnheiten, im Verhalten oder starke körperliche Veränderungen
- Krisenhafte Zustände, z. B. Lebensereignisse wie Verlust des Berufes, Entwurzelung durch Trennung
- Risikoreiches Verhalten, z. B. erhöhter Alkohol- und Drogenkonsum, gefährliche Aktivitäten
- Plötzliche Ruhe und Gelöstheit nach einer intensiven depressiven Phase
Hinweis bei Suizidgedanken:
Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld an Suizid denkt oder sich in einer akuten Krise befindet, suchen Sie bitte sofort Hilfe. Wichtige Anlaufstellen sind:
- Telefonseelsorge – kostenfrei & anonym, rund um die Uhr erreichbar:
- Telefon: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
- Online: www.telefonseelsorge.de (auch Chat- und Mailberatung)
- Nummer gegen Kummer – für Kinder, Jugendliche und Eltern:
- Telefon: 116 111 (Mo–Sa, 14–20 Uhr)
- Online: nummergegenkummer.de
- Europäische Notrufnummer – im Notfall: 112
Im Notfall zögern Sie nicht, den Rettungsdienst zu rufen oder die nächste Notaufnahme aufzusuchen. Sie sind nicht allein. Professionelle Hilfe ist jederzeit verfügbar.
Was sind typische Aussagen einer depressiven Person?
- „Ich bin traurig, einsam oder unglücklich.“
- „Ich fühle mich erschöpft, ausgelaugt und leer.“
- „Ich komme morgens kaum aus dem Bett.“
- „Ich habe Konzentrationsprobleme und erledige Alltägliches nur mit Mühe.“
- „Ich fühle mich wertlos und ungeliebt.“
- „Ich kann mich nicht mehr über Dinge freuen, die mir früher wichtig waren.“
- „Ich ziehe mich zurück, weil mich Gesellschaft anstrengt.“
- „Ich fühle mich schuldig.“
Gelegentlich treten solche Empfindungen bei jedem Menschen auf. Wenn sie jedoch über mehrere Wochen anhalten, sich zu ständigem Grübeln verdichten und einen hohen Leidensdruck verursachen, kann eine Depression vorliegen.
Wie wird eine Depression diagnostiziert?
Ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung
Die Diagnose einer Depression sollte immer durch ein ausführliches Diagnosegespräch (Anamnese) mit einem Arzt oder Psychotherapeuten erfolgen. Eine Depression ist durch bestimmte Haupt- und Nebensymptome gekennzeichnet, die im persönlichen Arzt-Patienten-Gespräch, unter anderem anhand von wissenschaftlich fundierten Fragebögen, identifiziert werden. Im Anschluss erfolgt eine Einordnung der Symptomschwere und bei entsprechender Diagnose die gemeinsame Entscheidungsfindung sowie Einleitung einer passenden, fachgerechten psychotherapeutischen oder/und medikamentösen Behandlung.
Die Kriterien für die Diagnose einer Depression richten sich nach den Vorgaben des internationalen statistischen Klassifikationssystems (ICD, engl.: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) der World Health Organization (WHO). Dieses legt fest, welche und wie viele Symptome über welchen Zeitraum vorliegen müssen. Die aktuell verwendete Version ist die ICD-10. Mit der ICD-11 liegt bereits eine neue Version vor, die aber noch in der Entwurfsfassung steckt und in Deutschland ab 2027 flächendeckend verwendet werden wird.
Wenn bei einem Menschen depressive Symptome festgestellt werden, heißt dies nicht zwangsläufig, dass dieser auch an einer Depression erkrankt ist. Da ähnliche Symptome auch bei anderen psychischen oder körperlichen Erkrankungen oder Ursachen auftreten können (z. B. bei Erschöpfungssyndromen, Schilddrüsenerkrankungen, medikamentösen Nebenwirkungen), ist eine sorgfältige Differenzialdiagnostik und Abgrenzung zwingend notwendig. Im Idealfall können auch Angehörige in die Befragung einbezogen werden. Vorerkrankungen sollten ebenso wie die familiäre Belastung abgeklärt werden.
Erster Hinweis: Der Zwei-Fragen-Test bei Depression
Bei ersten Anhaltspunkten für eine Depression bietet der Zwei-Fragen-Test (PHQ-2, auch als „Whooley Questions“ bezeichnet)5 eine Möglichkeit der einfachen und schnellen Erfassung:
- Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?
- Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?
Werden beide Fragen mit „Ja“ beantwortet, kann dies auf eine Depression hinweisen. Ärztliche Hilfe sollte in Anspruch genommen werden, um sicher abzuklären, ob tatsächlich eine Depression mit Krankheitswert vorliegt und eine fachlich begründete Behandlung notwendig macht.
Der Gesundheitsfragebogen PHQ-9 (Patient Health Questionnaire-9)
Fragen wie „Bin ich depressiv?“ oder „Habe ich eine Depression?“ sind oft nicht leicht zu beantworten. Der Patienten-Gesundheitsfragebogen PHQ-9 ist ein validiertes und etabliertes Screening-Instrument zur Erfassung und Verlaufsbeurteilung von depressiven Symptomen und führt durch die standardisierte Erfassung und Normierung zu einer verbesserten Diagnoserate. Er enthält neun diagnostische Kriterien für eine schwere depressive Episode mit jeweils vier Antwortmöglichkeiten.
Bin ich depressiv? Sollte ich mir Hilfe suchen?
Wenn Sie das Gefühl haben, dass bei Ihnen Anzeichen einer Depression vorliegen, können Sie mit unserem kostenfreien und anonymen Online-Selbsttest bei Depression schnell und einfach eine erste Einschätzung Ihrer Symptome erhalten.
Das Ergebnis des Selbsttests kann Hinweise liefern, stellt aber keine verlässliche Diagnose dar. Für eine gesicherte Diagnose suchen Sie bitte Ihren Hausarzt, einen Facharzt für Psychiatrie oder Psychotherapie oder einen Psychotherapeuten auf. Das Ergebnis kann ein geeigneter Gesprächseinstieg sein.
Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). „Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung“. Version 3.2 (2022): 21–175. https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-005l_S3_Unipolare-Depression_2023-07.pdf.
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). „ICD-10-GM Version 2025“. Zugriff am 01. September 2025. https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2025/index.htm.
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). „ICD-11 in Deutsch – Entwurfsfassung“. Zugriff am 01. September 2025. https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/uebersetzung/_node.html.
Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS). „Allgemeine Informationen zu Suizidalität“. Zugriff am 13. August 2025. https://www.suizidprophylaxe.de/suizidalitaet1/allgemeine-informationen/.
Whooley, Mary A., Andrew L. Avins, Jeanne Miranda, und Warren S. Browner. „Case-Finding Instruments for Depression“. Journal of General Internal Medicine 12, Nr. 7 (Juli 1997): 439–45. https://doi.org/10.1046/j.1525-1497.1997.00076.x.
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