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Verlaufsformen und Schweregrade einer Depression

Eine Depression verläuft nicht bei jedem Menschen gleich: Manche erleben eine einzelne Episode, die vollständig abklingt, andere durchleben wiederkehrende oder lang anhaltende Phasen. Hier erfahren Sie, welche Verlaufsformen und Schweregrade es gibt – von leichten bis schweren Episoden bis hin zu besonderen Unterformen wie der saisonalen oder postpartalen Depression.

Wie verläuft eine Depression typischerweise?

Eine leichte depressive Episode liegt gemäß ICD-10 vor, wenn insgesamt mindestens vier bzw. fünf Symptome, darunter mindestens zwei Hauptsymptome, über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen bestehen.1 Eine depressive Episode hält oft einige Wochen bis mehrere Monate an.

Diese Grafik zeigt die verschiedenen Verlaufsformen unipolarer depressiver Störungen.

Verschiedene Verlaufsformen unipolarer depressiver Störungen

Unipolare Depression

Bei einer unipolaren Depression treten akute depressive Episoden auf, die entweder vollständig zurückgehen (Remission, Beispiel a), so dass der Betroffene danach symptomfrei ist, oder unvollständig zurückgehen (unvollständige Remission, Beispiel b). Bei unvollständiger Remission bleiben die Symptome in geringem Umfang bestehen und es erhöht sich das Risiko für eine rezidivierende (wiederkehrende) depressive Störung (Beispiel c), die ab der zweiten depressiven Episode diagnostiziert wird. Die Abstände zwischen zwei depressiven Episoden können unterschiedlich lang sein, wobei das Risiko für einen Rückfall mit jeder folgenden Episode als steigend angenommen wird.

Die Dysthymie oder Dysthymia (Beispiel d) ist eine Form der chronischen Depression: eine depressive Verstimmung, die mindestens zwei Jahre lang anhält. Die Beschwerden bei einer Dysthymie sind über die Zeit betrachtet schwächer als bei einer Depression und belasten den Alltag weniger stark akut, so dass dieser relativ gut bewältigt werden kann Wird die Dysthymie von einer depressiven Episode überlagert, spricht man von einer doppelten Depression (engl.: „double depression“, Beispiel e).

Bei einer chronischen oder persistierenden Depression  hält die Depression länger als zwei Jahre an, ohne dass eine Besserung bzw. Remission eintritt (Beispiel f).2 Die hier lang andauernde depressive Verstimmung ist durch stärkere Symptome gekennzeichnet als die Dysthymie.

Bipolare Depression

Bei einer bipolaren Depression oder manisch-depressiven Erkrankung schwanken Betroffene zwischen depressiven Episoden und Episoden euphorischer oder ungewöhnlich gereizter Stimmung mit gesteigertem Antrieb. Sind diese Episoden schwach ausgeprägt, spricht man von hypomanen, in voller Ausprägung von manischen Episoden. Insgesamt treten bipolare Depressionen deutlich seltener auf als unipolare Depressionen, erfordern aber meist eine schnelle und konsequente medikamentöse Behandlung, um Rückfällen vorzubeugen. Etwa 3 % der in Deutschland lebenden Menschen erkranken im Laufe Ihres Lebens an einer bipolaren Störung.3

Schweregrade einer Depression

Eine Depression kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten, die in Deutschland nach ICD-10 diagnostiziert werden. Fachleute prüfen dazu, wie viele der in Tabelle 1 genannten Haupt- und Nebensymptome in den vergangenen zwei Wochen aufgetreten sind und verschaffen sich zusätzlich einen klinischen Gesamteindruck. Es wird zwischen folgenden Diagnosen unterschieden4:

  • Leichte Depression (F32.0): Auftreten von insgesamt mind. vier Symptomen, darunter mindestens zwei Hauptsymptome
  • Mittelgradige Depression (F32.1): Auftreten von insgesamt mind. fünf (tendentiell eher sechs) Symptomen, darunter mindestens zwei Hauptsymptome
  • Schwere Depression (F32.2): Auftreten von allen drei Haupt- und mindestens fünf Nebensymptomen.

Depressive Episoden können bei Vorliegen bestimmter Symptome in folgende weitere Subtypen eingeteilt werden5:

  • Somatisierte Depression: Die Depression äußert sich in verschiedenen, uncharakteristischen körperlichen Symptomen (z. B. Herzrasen, Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen oder Schwindel), die nicht auf organische Ursachen zurückzuführen sind.
  • Psychotische Depression: Zur depressiven Symptomatik kommen psychotische Anzeichen wie Halluzinationen oder Wahnideen hinzu. Bei schweren Verläufen kann ein depressiver Stupor auftreten, der sich durch einen Zustand der Erstarrung mit fehlenden oder stark verzögerten Reaktionen kennzeichnet und in der Regel eine stationäre Aufnahme erfordert.6
  • Melancholische Depression: Eine schwere Ausprägung, bei der das Symptom der Stimmungsstörung vorliegt, bei der Betroffene nicht mehr fühlen oder keinerlei Lust mehr empfinden können.
  • Saisonal abhängige Depression (SAD): Depressive Episode mit jahreszeitlich typischem Auftreten, z. B. Herbstdepression oder Winterdepression.
  • Postpartale Depression (auch Wochenbettdepression) sowie die leichteren, umgangssprachlich als „Heultage“ (engl.: „Baby Blues“) bezeichneten psychischen Störungen nach der Entbindung, oder die Wochenbettpsychose.

Im amerikanischen Klassifikationssystem, dem Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM, engl.: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) spricht man von einer „Major Depression“ (entspricht einer schweren depressiven Episode) und „Minor Depression“ bei einer weniger schweren Episode.

Quellennachweise

Berufsverband Deutscher Neurologen e.V. (BDN), Berufsverband Deutscher Nervenärzte e.V. (BVDN), und Berufsverband Deutscher Psychiater e.V. (BVDP). „Einteilung der Depressionen“. Zugriff am 15. August 2025. https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/depressionen/einteilung/.

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). „Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung“. Version 3.2 (2022): 22. https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-005l_S3_Unipolare-Depression_2023-07.pdf.

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). „ICD-10-GM Version 2025“. Zugriff am 01. September 2025. https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2025/index.htm.

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). „ICD-11 in Deutsch – Entwurfsfassung“. Zugriff am 01. September 2025. https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/uebersetzung/_node.html.

Deutsche DepressionsLiga e.V. „Depressiver Stupor“. Zugriff am 15. August 2025. https://depressionsliga.de/glossar/depressiver-stupor/.

Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS), und Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). „S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen“. Version 2.1 (2020): 24. https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/ef9214009e20d260d4f5a6e6932f3fb7f914efbb/S3_Leitlinie_Bipolar_V2.1_Update_20200504.pdf.

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Carmen Fehrmann ist als Telefoncoachin in akuter Krisenbegleitung und längerfristigen Behandlungsprogrammen sowie im Novego-Team der IVPNetworks GmbH tätig. Ihre Schwerpunkte sind insbesondere die Behandlung von psychischen Erkrankungen in Folge von chronischem Stress und traumatischen Erlebnissen.

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