Ist Panikstörung eine psychische Erkrankung?
Ja, eine Panikstörung ist eine anerkannte psychische Erkrankung. Sie gehört zur Gruppe der Angststörungen und ist im internationalen Klassifikationssystem ICD-10 unter dem Code F41.0 erfasst. Das bedeutet: Wer unter einer Panikstörung leidet, erlebt keine Schwäche oder Einbildung, sondern eine klinisch beschriebene Erkrankung, die diagnostiziert und behandelt werden kann. Die folgenden Abschnitte beleuchten, was eine Panikstörung ausmacht, wie sie von alltäglicher Angst abzugrenzen ist und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.
Wie unterscheidet sich eine Panikstörung von normaler Angst?
Eine Panikstörung unterscheidet sich von normaler Angst durch das plötzliche, scheinbar grundlose Auftreten intensiver Angstepisoden sowie durch die anhaltende Sorge vor weiteren Attacken. Normale Angst ist eine sinnvolle Reaktion auf eine erkennbare Bedrohung. Bei einer Panikstörung tritt die extreme Angst dagegen ohne einen eindeutigen äußeren Auslöser auf und ist in ihrer Intensität deutlich unverhältnismäßig zur tatsächlichen Situation.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die sogenannte Erwartungsangst: Betroffene beginnen, Situationen zu meiden, in denen sie früher Panikattacken erlebt haben, oder entwickeln eine anhaltende Angst davor, erneut eine Attacke zu bekommen. Dieser Kreislauf aus Panik, Erwartungsangst und Vermeidungsverhalten ist typisch für die Panikstörung und fehlt bei vorübergehenden, situationsgebundenen Ängsten.
Welche Symptome kennzeichnen eine Panikstörung?
Eine Panikstörung ist durch wiederkehrende Panikattacken gekennzeichnet, bei denen innerhalb kurzer Zeit mehrere körperliche und psychische Symptome gleichzeitig auftreten. Diese Attacken erreichen ihren Höhepunkt meist innerhalb von Minuten und klingen dann wieder ab. Charakteristisch ist, dass sie spontan und ohne erkennbaren Auslöser auftreten können.
Zu den häufig beschriebenen Symptomen gehören:
- Herzrasen oder starkes Herzklopfen
- Atemnot oder das Gefühl, zu ersticken
- Schwindel oder Benommenheit
- Schwitzen und Zittern
- Schmerz oder Beklemmungsgefühl im Brustraum
- Übelkeit oder Magenprobleme
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle
- Wirklichkeitsverlust oder das Gefühl, neben sich zu stehen
- Todesangst oder die Angst, die Kontrolle zu verlieren
Wichtig zu wissen: Viele dieser Symptome ähneln körperlichen Erkrankungen, etwa einem Herzproblem. Deshalb suchen Betroffene häufig zunächst nach einer körperlichen Ursache, bevor eine psychische Diagnose gestellt wird. Wenn körperliche Ursachen ausgeschlossen wurden und die Attacken wiederholt auftreten, kann eine Panikstörung vorliegen. Eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung ist in jedem Fall sinnvoll.
Welche psychischen Erkrankungen gehören zu den Angststörungen?
Angststörungen sind eine Gruppe psychischer Erkrankungen, bei denen Angst das zentrale Symptom ist. Zur Gruppe der Angststörungen gehören laut ICD-10 unter anderem die Panikstörung (F41.0), die generalisierte Angststörung (F41.1), verschiedene Phobien wie die soziale Phobie (F40.1) und die Agoraphobie (F40.0) sowie spezifische Phobien (F40.2).
Diese Erkrankungen unterscheiden sich vor allem darin, worauf sich die Angst bezieht und wie sie ausgelöst wird:
- Panikstörung: Wiederkehrende, spontane Panikattacken ohne klar erkennbaren Auslöser
- Agoraphobie: Angst vor Situationen, aus denen eine Flucht schwierig erscheint, zum Beispiel öffentliche Plätze oder Menschenmengen
- Soziale Phobie: Ausgeprägte Angst vor sozialen Situationen und negativer Bewertung durch andere
- Spezifische Phobie: Starke Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation, etwa vor Tieren oder Höhen
- Generalisierte Angststörung: Anhaltende, schwer kontrollierbare Sorgen zu vielen verschiedenen Lebensbereichen
Panikstörung und Agoraphobie treten häufig gemeinsam auf und werden im ICD-10 auch als kombinierte Diagnose erfasst (F40.01). Eine genaue Einordnung ist Aufgabe von Fachärztinnen und Fachärzten oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Was passiert im Gehirn während einer Panikattacke?
Während einer Panikattacke aktiviert das Gehirn eine intensive Stressreaktion, die ursprünglich als Überlebensmechanismus dient. Im Mittelpunkt steht dabei die Amygdala, ein Bereich des Gehirns, der für die Verarbeitung von Bedrohungsreizen zuständig ist. Sie sendet ein Alarmsignal, das den Körper in den sogenannten Kampf-oder-Flucht-Modus versetzt, auch wenn keine tatsächliche Gefahr vorhanden ist.
Dieser Mechanismus löst eine Kaskade körperlicher Reaktionen aus: Der Herzschlag beschleunigt sich, die Atmung wird schneller, Stresshormone wie Adrenalin werden ausgeschüttet. Diese Reaktionen sind an sich normal und sinnvoll, in einer Panikattacke jedoch ohne realen Auslöser. Betroffene interpretieren die körperlichen Empfindungen häufig als Zeichen einer ernsthaften körperlichen Bedrohung, was die Angst weiter verstärkt. Dieses Zusammenspiel aus körperlicher Reaktion und gedanklicher Bewertung ist ein zentrales Element, das in der kognitiven Verhaltenstherapie gezielt bearbeitet wird.
Wie wird eine Panikstörung diagnostiziert und behandelt?
Eine Panikstörung wird durch eine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung diagnostiziert. Grundlage ist das Klassifikationssystem ICD-10, in dem die Panikstörung unter F41.0 beschrieben ist. Voraussetzung für die Diagnose sind mehrere wiederkehrende Panikattacken, die nicht auf eine körperliche Erkrankung oder eine andere psychische Störung zurückzuführen sind.
Diagnostische Einordnung nach ICD-10
Im ICD-10 wird die Panikstörung (F41.0) durch das Auftreten von mindestens mehreren schweren Angstattacken über einen Zeitraum von etwa einem Monat definiert. Diese müssen in Situationen auftreten, die objektiv ungefährlich sind, und dürfen nicht auf bekannte oder vorhersehbare Situationen beschränkt sein. Zudem sollte zwischen den Attacken weitgehende Angstfreiheit bestehen, auch wenn Erwartungsangst häufig vorkommt.
Behandlungsmöglichkeiten
Als wirksam bei Panikstörungen gilt nach aktuellem Forschungsstand vor allem die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Sie zielt darauf ab, die gedanklichen Muster zu verändern, die Panikattacken aufrechterhalten, und hilft dabei, Vermeidungsverhalten schrittweise abzubauen. In einigen Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden, über die eine Ärztin oder ein Arzt informiert.
Wer auf einen Therapieplatz wartet oder ergänzend zur laufenden Behandlung Unterstützung sucht, kann von digitalen Therapieangeboten bei Angst profitieren, die auf den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie basieren.
Kann man eine Panikstörung ohne Therapie überwinden?
In leichten Fällen können sich Panikattacken mit der Zeit und durch gezielte Selbsthilfe bessern. Bei einer ausgeprägten Panikstörung ist professionelle Unterstützung durch Psychotherapie oder ärztliche Begleitung jedoch in der Regel wichtig, um den Kreislauf aus Panik, Erwartungsangst und Vermeidung nachhaltig zu durchbrechen. Selbsthilfe allein ist bei schweren oder anhaltenden Beschwerden nicht ausreichend.
Es gibt dennoch Strategien, die ergänzend hilfreich sein können:
- Atemübungen: Langsames, bewusstes Atmen kann helfen, die körperliche Stressreaktion zu dämpfen
- Psychoedukation: Das Verstehen der Mechanismen hinter einer Panikattacke kann dazu beitragen, die Angst vor der Angst zu reduzieren
- Achtsamkeitstraining: Regelmäßige Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, körperliche Empfindungen weniger bedrohlich wahrzunehmen
- Schrittweise Konfrontation: Das vorsichtige Aufsuchen vermiedener Situationen, idealerweise begleitet durch Fachpersonal
Ein möglicher erster Schritt kann sein, einen Selbsttest zu Angst zu machen, um ein besseres Bild der eigenen Beschwerden zu bekommen. Bei anhaltenden oder starken Symptomen ist es wichtig, ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wer sich in einer akuten Krise befindet oder Gedanken hat, sich selbst zu schaden, sollte sich sofort an den Notruf (112) oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar) wenden.
Wie Novego bei Angst und Panikstörung unterstützen kann
Unser Online-Therapieprogramm bei Angst richtet sich an Menschen, die unter Panikstörungen, sozialen Phobien, Agoraphobie oder anderen Angstdiagnosen leiden und Unterstützung suchen, sei es als Überbrückung beim Warten auf einen Therapieplatz, begleitend zu einer laufenden Behandlung oder zur Stabilisierung.
Das Programm bietet unter anderem:
- Sechs wöchentliche Module mit je etwa 45 bis 60 Minuten Bearbeitungszeit, flexibel von zu Hause nutzbar
- Inhalte, die auf den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie basieren und individuell angepasst werden
- Strategien zur Bewältigung von Panikattacken, Vermeidungsverhalten und Erwartungsangst
- 365 Tage Zugriff auf alle Programminhalte
- Datensicherheit nach ISO 27001 und DSGVO-konforme Datenverarbeitung
Unser Programm ist im DiGA-Verzeichnis des BfArM gelistet und für gesetzlich Versicherte auf Rezept kostenfrei erhältlich. Die Wirksamkeit wurde in Studien untersucht. Individuelle Ergebnisse können unterschiedlich sein, und Veränderungsprozesse erfordern Zeit sowie aktive Mitarbeit. Novego ersetzt keine Psychotherapie, kann aber eine wertvolle Ergänzung dazu sein. Erfahren Sie, wie Sie Novego kostenfrei auf Rezept erhalten, und machen Sie einen ersten Schritt in Richtung mehr Wohlbefinden.
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