Was ist der Unterschied zwischen einer Angststörung und einem Burnout?
Eine Angststörung und ein Burnout sind zwei unterschiedliche psychische Erkrankungen, die sich in ihrer Ursache und ihrem Schwerpunkt unterscheiden: Angststörungen sind durch anhaltende, intensive Angstreaktionen geprägt, während Burnout vor allem durch chronische Erschöpfung infolge von Überlastung entsteht. Trotzdem überschneiden sich viele Symptome, was die Unterscheidung im Alltag schwierig machen kann. Die folgenden Fragen helfen dabei, beide Zustände besser zu verstehen und einzuordnen.
Können Angststörung und Burnout gleichzeitig auftreten?
Ja, Angststörung und Burnout können gleichzeitig auftreten. Fachleute sprechen dann von einer Komorbidität. Es ist sogar häufig, dass Menschen, die über lange Zeit unter starkem Stress stehen, sowohl Erschöpfungssymptome als auch Angstsymptome entwickeln. Die beiden Zustände können sich gegenseitig verstärken und aufrechterhalten.
Chronischer Druck, sei es im Beruf oder im Privatleben, kann das Nervensystem dauerhaft belasten. Das kann einerseits zu tiefer Erschöpfung führen, andererseits das Angstsystem aktivieren. Wer bereits eine Neigung zu Angstreaktionen mitbringt, ist möglicherweise anfälliger dafür, im Zuge eines Burnouts auch Angstsymptome zu entwickeln. Umgekehrt kann anhaltende Angst selbst erschöpfend wirken und zu burnoutähnlichen Zuständen beitragen.
Weil sich die Symptome überschneiden und gegenseitig beeinflussen, ist eine sorgfältige Einschätzung durch Fachpersonal besonders wichtig, um die passende Unterstützung zu finden.
Welche Symptome sind typisch für eine Angststörung?
Typische Symptome einer Angststörung umfassen sowohl körperliche als auch psychische Beschwerden, die in ihrer Intensität oft als unangemessen stark im Verhältnis zur tatsächlichen Situation erlebt werden. Dazu gehören Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Übelkeit und ein Beklemmungsgefühl in der Brust.
Auf der psychischen Ebene zeigen sich häufig starke Besorgnis, Todesangst, das Gefühl von Wirklichkeitsverlust und eine intensive Angst vor bestimmten Situationen oder Objekten. Ein zentrales Merkmal vieler Angststörungen ist das sogenannte Vermeidungsverhalten: Betroffene meiden zunehmend Situationen, die Angst auslösen könnten, was kurzfristig Erleichterung bringt, die Angst langfristig aber eher verstärkt.
Bei einer Panikstörung treten zusätzlich plötzliche, scheinbar grundlose Angstanfälle auf, die wenige Minuten dauern, aber als extrem bedrohlich erlebt werden. Angststörungen können viele Formen annehmen, darunter soziale Phobie, Agoraphobie, generalisierte Angststörung oder spezifische Phobien. Ein Selbsttest bei Angst kann ein erster Schritt sein, die eigenen Beschwerden besser einzuordnen.
Welche Symptome sind typisch für einen Burnout?
Burnout ist vor allem durch tiefe emotionale, körperliche und mentale Erschöpfung gekennzeichnet, die sich trotz Erholung nicht bessert. Betroffene fühlen sich ausgelaugt, innerlich leer und nicht mehr in der Lage, die gewohnten Leistungen zu erbringen.
Weitere typische Symptome eines Burnouts sind:
- Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, die sich nicht durch Schlaf bessert
- Zunehmende Gleichgültigkeit und innere Distanz gegenüber der Arbeit oder dem Alltag
- Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit
- Reizbarkeit und emotionale Instabilität
- Rückzug aus sozialen Kontakten
- Körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen oder Schlafprobleme
- Das Gefühl, nichts mehr bewirken zu können
Burnout entwickelt sich meist schleichend über einen längeren Zeitraum. Am Anfang steht oft ein hohes Engagement, dem nach und nach die Energie ausgeht. Im Unterschied zur Angststörung steht beim Burnout weniger die Angst im Vordergrund, sondern das Gefühl von Sinnlosigkeit, Erschöpfung und Überforderung.
Wie werden Angststörung und Burnout diagnostiziert?
Sowohl Angststörungen als auch Burnout werden durch Fachpersonal diagnostiziert, in der Regel durch Ärztinnen und Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Die Diagnose erfolgt auf Basis eines ausführlichen Gesprächs, standardisierter Fragebögen und der Einschätzung der Symptome im zeitlichen Verlauf.
Für Angststörungen gibt es klare diagnostische Kriterien, die in internationalen Klassifikationssystemen wie dem ICD festgelegt sind. Bei Burnout ist die Situation etwas komplexer: Burnout ist keine eigenständige psychiatrische Diagnose im klassischen Sinne, wird aber als wichtiger Faktor für die Gesundheit anerkannt und kann zu diagnostizierbaren Erkrankungen wie einer Depression oder einer Angststörung führen oder mit diesen einhergehen.
Weil sich die Symptome beider Zustände ähneln und überschneiden können, ist die Abgrenzung manchmal anspruchsvoll. Körperliche Ursachen für Beschwerden wie Herzrasen oder Schwindel sollten zudem ärztlich abgeklärt werden, bevor eine psychische Ursache angenommen wird. Eine professionelle Einschätzung ist daher in jedem Fall empfehlenswert.
Wie werden Angststörungen und Burnout behandelt?
Angststörungen und Burnout werden in erster Linie psychotherapeutisch behandelt, wobei die kognitive Verhaltenstherapie für beide Zustände als gut untersuchte Methode gilt. Je nach Schwere der Beschwerden können auch medikamentöse Unterstützung, Entspannungsverfahren oder Lebensstilanpassungen sinnvoll sein.
Behandlung bei Angststörungen
Bei Angststörungen zielt die Therapie darauf ab, die Angstreaktionen zu verstehen, das Vermeidungsverhalten zu reduzieren und neue Bewältigungsstrategien zu erlernen. Ein bewährtes Element der kognitiven Verhaltenstherapie ist die sogenannte Exposition, bei der Betroffene schrittweise und begleitet mit angstauslösenden Situationen konfrontiert werden, um zu erleben, dass die Angst beherrschbar ist.
Behandlung bei Burnout
Bei Burnout stehen zunächst Erholung, Entlastung und die Analyse der belastenden Faktoren im Vordergrund. Psychotherapeutische Unterstützung kann helfen, belastende Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern. Stressmanagement, Achtsamkeitstraining und die Förderung von Ressourcen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. In manchen Fällen ist eine vorübergehende Reduktion der Belastung, etwa durch Krankschreibung, ein notwendiger erster Schritt.
Digitale Unterstützungsangebote können ergänzend zur ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung genutzt werden und helfen, erste Strategien zu erlernen oder Wartezeiten zu überbrücken.
Wann sollte man bei Angst oder Erschöpfung professionelle Hilfe suchen?
Professionelle Hilfe ist dann sinnvoll, wenn Angst oder Erschöpfung über einen längeren Zeitraum anhalten, den Alltag deutlich beeinträchtigen oder sich trotz Ruhephasen nicht bessern. Je früher Unterstützung gesucht wird, desto eher können sich die Beschwerden stabilisieren.
Einige Hinweise, wann ein Gespräch mit Fachpersonal empfehlenswert ist:
- Die Symptome halten seit mehreren Wochen an
- Beruf, soziale Kontakte oder Alltagsaufgaben sind deutlich beeinträchtigt
- Erholung und Schlaf bringen keine Besserung
- Vermeidungsverhalten nimmt zu und schränkt den Lebensradius ein
- Es treten körperliche Beschwerden auf, für die keine körperliche Ursache gefunden wurde
- Die Stimmung verschlechtert sich zunehmend
Bei akuten Krisensituationen, Gedanken, sich selbst zu schaden, oder dem Gefühl, keinen Ausweg mehr zu sehen, ist sofortige professionelle Hilfe notwendig. In solchen Situationen wenden Sie sich bitte an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, den Notruf 112, oder die TelefonSeelsorge, die rund um die Uhr kostenlos erreichbar ist: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Wie Novego bei Angst und Erschöpfung unterstützen kann
Wenn Sie unter Angst, Panik oder Phobien leiden, kann unser Online-Therapieprogramm bei Angst eine wertvolle Ergänzung zu einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung sein. Das Programm ist als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) im BfArM-Verzeichnis gelistet und für gesetzlich Versicherte kostenfrei auf Rezept erhältlich.
Das Programm bietet unter anderem:
- Sechs wöchentliche Module mit je etwa 45 bis 60 Minuten Bearbeitungszeit
- Inhalte, die auf bewährten Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie basieren
- Strategien für verschiedene Angstdiagnosen, darunter soziale Phobie, Agoraphobie und Panikstörungen
- Flexiblen Zugang von zu Hause aus, 365 Tage lang
- Datensicherheit nach ISO 27001 und DSGVO-konforme Verarbeitung
Das Programm eignet sich als Überbrückung bei Wartezeiten auf einen Therapieplatz, begleitend zu einer laufenden Behandlung oder zur Stabilisierung. Veränderungsprozesse brauchen Zeit und aktive Mitarbeit, und die Ergebnisse können individuell unterschiedlich sein. Wenn Sie mehr erfahren möchten, sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf eine Verordnung an.
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