Achtsamkeit

Man unterscheidet unterschiedliche Ansätze bei der Achtsamkeitstherapie. Wir stellen im Folgenden vier Therapieformen vor:

 

Acceptance- and Commitment Therapie (ACT)

 

Die Acceptance- and Commitment Therapie wurde in den letzten 20 Jahren von den Psychologen und Wissenschaftlern Steven Hayes, Kelly Wilson und Kirk Strosahl in den USA entwickelt. Der ACT-Ansatz richtet sich nicht auf die Veränderung oder Beseitigung von bestimmten Symptomen wie man es eigentlich von den meisten Therapieansätzen kennt.  Die ACT versucht die Patienten darin zu unterstützen, die eigenen inneren Phänomene zu akzeptieren und engagiert im Sinne der persönlichen Werte und Ziele zu handeln. Das Ziel der ACT ist es, dass sich die Patienten wieder bewusst für Dinge einsetzen, die ihnen am Herzen liegen anstatt ständig gegen unerwünschte Gefühle, Gedanken oder Zustände anzukämpfen. Im Rahmen der ACT soll Achtsamkeit als eine von verschiedenen Fertigkeiten wie Akzeptanz, Wertschätzung und Engagement für die eigenen Werte aufgebaut und gefördert werden.

Wenn man nicht mehr die ganze Zeit davon eingenommen ist, bestimmte Erlebnisse wie Angst, Trauer oder Schmerz zu vermeiden, kann die eigene Flexibilität erhöht werden. Indem man die eigenen Schwächen, Fehler, Gedanken oder Gefühle anerkennt und akzeptiert, werden Kräfte frei für Lösungen und neue Perspektiven. Das bedeutet, dass man wieder mehr Entscheidungsmöglichkeiten im Leben hat und sich für ein wertbezogenes Leben nach den eigenen Vorstellungen einsetzen und engagieren kann. Diese persönliche Auswahl der eigenen Lebensziele und –werte und die Verpflichtung gegenüber diesen ist ein Kernelement der ACT.

In der ACT wird weniger mit rationaler Sprache gearbeitet, sondern eher mit Metaphern und erlebnisorientierten Übungen, um mit offenen Augen und Ohren praktische Lebenserfahrungen zu machen und aus diesen zu lernen. Der therapeutische Ansatz der ACT ist störungsübergreifend anwendbar (z.B. für psychische Erkrankungen wie Depression oder Abhängigkeitserkrankungen, aber auch bei chronischen Schmerzen, Diabetes oder Epilepsie). Besonders bei Erkrankungen, in dessen Rahmen sich ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten entwickelt hat, ist die ACT ein sinnvoller und hilfreicher Ansatz.

 

 

Dialektische-Behaviorale Therapie (DBT)

 

Die DBT wurde in den 1980er Jahren von Marsha M. Linehan, einer Psychologie-Professorin an der University of Washington, als komplexer Behandlungsansatz zur Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen entwickelt. Achtsamkeit wird hier als übergreifendes Hintergrundprinzip verstanden, welches das therapeutische Handeln durchgehend prägen sollte. Des Weiteren integriert die DBT Methoden aus der Verhaltenstherapie, der kognitiven Therapie, der Gestalttherapie, der Hypnotherapie und der Zen-Meditation.

Der Begriff ‚dialektisch’ bedeutet, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, sondern verschiedene Positionen, die für die Erreichung bestimmter Ziele betrachtet werden können. Der Therapeut versucht eine Balance zu finden zwischen Strategien von Akzeptanz und Wertschätzung eines Problems einerseits und dessen Veränderung andererseits, um Raum und Atmosphäre für Entwicklung entstehen zu lassen. Im Sinne der Dialektik versucht man in der DBT die scheinbaren Gegensätze in der Welt der Patienten schrittweise zu erkennen, zu integrieren und somit aufzulösen.

Zum konkreten Therapiekonzept gehören insbesondere die Beziehungsarbeit in wöchentlichen Einzelsitzungen sowie das wöchentliche Training psychosozialer Fertigkeiten (sogenannten Skills) innerhalb einer Gruppe. Innere Achtsamkeit steht dabei am Beginn des Fertigkeitentrainings und umfasst bei der DBT mehrere Aspekte: zum einen das reine Beobachten von Ereignissen, Gefühlen und anderen Verhaltensreaktionen (auch belastenden), das verbale Beschreiben dieser Phänomene und Zustände, die Einnahme einer nicht wertenden Haltung und die Aufmerksamkeit ganz auf das Hier und Jetzt. Das Ziel ist, dass die Patienten sich in einer Situation wohl und sicher fühlen können, da sie diese nicht sofort bewerten und das richtige Maß an Distanz oder Teilnahme an der Situation entwickeln können.

Weitere Bereiche des Fertigkeitentrainings sind neben der Achtsamkeit z.B. zwischenmenschliche Fertigkeiten, Umgang mit Gefühlen, Stresstoleranz und Selbstwert. Die DBT wird als ambulante Therapie und im stationären Setting angewandt.

 

 

Mindfullness-Based Stress Reduction (MBSR)

 

Mindfulness-Based Stress Reduction wurde in den 1970er Jahren von Jon Kabat-Zinn an der Universitätsklinik von Massachusetts als Behandlungsprogramm für Gruppen zur achtsamkeitsbasierten Stressreduktion entwickelt. MBSR ist ein Therapieansatz, der einen deutlichen Bezug auf die ursprünglich meditative Tradition zeigt. Das Therapieprogramm findet mit wöchentlichen Sitzungen über einen Zeitraum von acht Wochen statt, in der Regel in einer Gruppe von bis zu 30 Personen. Achtsamkeit wird hier durch die intensive Schulung formeller und informeller Achtsamkeitsübungen vermittelt.

  • Formelle Übungen sind bestimmte Übungen, in denen in einem festgelegten Zeitraum ausschließlich die Achtsamkeit trainiert wird. Hier geht es um „Being“ anstelle von „Doing“, um einen möglichst freundschaftlichen Kontakt mit dem eigenen Erleben in jedem einzelnen Moment der Übungen. Solche Übungen sind z.B. der Body-Scan (eine 45minütige Übung zur achtsamen und wertfreien Wahrnehmung des eigenen Körpers), Atemmeditationen (Fokus der Aufmerksamkeit auf die körperlichen Empfingen beim Ein- und Ausströmen des Atems) oder Yoga.

  • Informelle Übungen dienen dem Transfer und der Integration der Achtsamkeit in das tägliche Leben. Alle alltäglichen, routinierten Tätigkeiten werden mit einer achtsamen Haltung ausgeführt (z.B. Essen, Duschen, Zähneputzen oder Gehen). Diese Tätigkeiten können dabei häufig erstmals in ihrer ganzen Intensität und Bandbreite an Eindrücken erlebt werden. Das Ziel ist es, den Geist und die aktuell stattfindende Tätigkeit so gut es geht in Übereinstimmung zu bringen und eine achtsame Haltung in allen Situationen zu entwickeln.

Die Übungen werden ergänzt durch Psychoedukation, also Aufklärung und Informationsvermittlung zum Thema Stress. Die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmer in den Übungen und die Integration der Übungen im Alltag werden in den Sitzungen ausführlich besprochen. Insbesondere durch die Hausaufgaben soll Achtsamkeit zum selbstverständlichen Teil des Lebensalltags der Patienten werden.

 

 

Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT)

 

Auf Deutsch wird die Mindfulness-Based Cognitive Therapy ‚Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie’ genannt. Die MBCT wurde ebenfalls in den 1990er Jahren in enger Anlehnung an die eben beschriebene MBSR entwickelt. Die Professoren Zindel Segal (Toronto), Mark Williams (Oxford) und John Teasdale (damals Cambridge, England) haben dies in die Wege geleitet und in Kooperation mit dem Center for Mindfulness von Jon Kabat-Zinn als Programm zur Rückfallprävention bei Depressionen umgesetzt. Die grundlegende Struktur und die zentralen Übungselemente wurden von der MBSR übernommen und spezielle Depressions-Elemente integriert. Durch die Ausrichtung auf Depressionen handelt es sich bei der MBCT um einen störungsspezifischen psychotherapeutischen Ansatz für Patienten mit wiederkehrenden depressiven Episoden.

Ein wichtiges Ziel der MBCT ist es, die eigene Haltung gegenüber negativen Gedanken, Gefühlen oder Körperempfindungen zu verändern. Die neue akzeptierende und offene Haltung soll helfen, die Depressionssymptome nicht mehr als mit dem eigenen Selbst verschmolzen anzusehen, sondern diese Phänomene zu erkennen, achtsam wahrzunehmen und die depressive Spirale zu stoppen. Des Weiteren gehören zur MBCT kognitive Elemente wie Änderung des Verhaltens, Identifizierung negativer Gedanken und automatischer Muster. Wie bei der MBSR liegt die Dauer auch hier bei acht Wochen, die Gruppen sind mit höchstens 12 Personen allerdings kleiner.


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