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Systemische Therapie

Grundlagen der systemischen Therapie

In der systemischen Therapie werden Symptome und Probleme nicht als Krankheit eines Einzelnen angesehen, sondern der Blick wird immer auf das soziale System gerichtet, das ihn umgibt.

Was ist ein System?

Ein System ist eine Gesamtheit von Elementen, die aufeinander bezogen sind und in einer Wechselwirkung zueinander stehen. Das bedeutet, dass diese Elemente eine Einheit formen und sich dadurch von der Umwelt abgrenzen. Der Begriff des Systems umfasst somit das Ganze als auch die einzelnen Teile eines Systems, das bedeutet sowohl einzelne Personen als auch Subsysteme in Form von Beziehungen zwischen einzelnen Systemmitgliedern sowie alle Personen als das System in seiner Gesamtheit.

Was bedeutet ‚systemisch’ bei der systemischen Therapie?

In der systemischen Therapie ist somit nie ein isolierter Mensch das Objekt der Betrachtung, sondern immer das System, in dem er sich bewegt, d.h. sein gesamtes Lebensumfeld, seine Lebensbedingungen und sein Herkunftssystem. Die systemische Therapie legt den Fokus auf die Organisation eines solchen Systems, auf Muster, Zusammenhänge und Dynamiken zwischen den einzelnen System-Mitgliedern. Jedes System hat eigene, oft unausgesprochene Spielregeln. Das Netzwerk der Interaktion ist das entscheidende Verbindungsglied zwischen den Teilen und dem System als Ganzem, deswegen sind die zwischenmenschlichen Beziehungen und die individuellen Erlebens- und Verhaltensmuster innerhalb eines Systems von besonderer Bedeutung in der systemischen Therapie.


Grundannahmen der systemischen Therapie

Eine Grundannahme der systemischen Therapie ist folgende: Die Störung, die Symptome oder das Problem ist die derzeit bestmögliche Lösung für das System in einer Konfliktsituation. Es mag im ersten Moment ungewöhnlich klingen, eine Störung als bestmögliche Lösung zu bezeichnen. Dies bedeutet allerdings nur, dass dem System bisher keine andere Lösungsmöglichkeit zur Verfügung stand. In diesem Sinne gibt es nicht den einen kranken Symptomträger, sondern das System, in welchem sich diese Symptomatik entwickeln konnte, rückt in den Fokus der Betrachtung. In der systemischen Therapie wird dieser bisherigen Lösung eine akzeptierende und wertschätzende Haltung gegenüber eingenommen und aufgezeigt, dass dem System bis jetzt kein anderer Weg möglich war. Das Ziel in der Therapie ist, die zur Verfügung stehenden Lösungsmöglichkeiten für das System zu erweitern, damit die Symptome nicht mehr die einzig mögliche Lösung darstellen.

Realitätskonstruktion

In der systemischen Therapie wird angenommen, dass verschiedene Realitäten, verschiedene Wirklichkeiten existieren und es nicht die eine „wahre“ Realität gibt. Jede Konzeption der Wirklichkeit kann nur in Zusammenhang mit ihrem Betrachter gesehen und verstanden werden. In einem System kommt es im Laufe der Zeit zu einer besonderen Sichtweise der Realität, d.h. eine systemeigene Perspektive zur Realität wird individuell eingenommen und konstruiert. In der systemischen Therapie wird versucht, die verschiedenen Realitäten der Systemmitglieder zu verstehen und die Auswirkungen auf die sozialen Beziehungen aufzuzeigen. Der Therapeut unterstützt die Systemmitglieder, ihre individuelle Wahrnehmung der Realität zu erkennen und zu reflektieren.

Menschenbild in der systemischen Therapie

Das Menschenbild des systemischen Therapieansatzes sieht die Fähigkeiten und Ressourcen im Vordergrund - Menschen werden somit nicht mit dem Schwerpunkt auf ihren Defekten oder Defiziten gesehen. Die Ressourcen können sich manchmal auch in problematischen Verhaltensweisen zeigen, allerdings sind sie dann verdeckt oder die Fähigkeiten passen in dieser Situation nicht zum Kontext. Im Verlauf einer systemischen Therapie werden die Symptome und Probleme in diesem Sinne neu interpretiert und die Ressourcen in ihren positiven und stabilisierenden Facetten herausgestellt.

Autor(en): Dipl.-Psych. Charlotte Husen
Text erstellt am: 19.01.2012
Zuletzt geändert am: 23.01.2012

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