Wie Stress entsteht

 

Was kann dazu führen, dass wir Stress empfinden?
Auslöser von Überforderung können sehr unterschiedlich sein und unterliegen in starkem Maße der Subjektivität. 

 

 

Stress-Situationen

 

Prinzipiell kann nahezu jede Situation Stress auslösend sein, die vom Menschen als unangenehm oder gar bedrohlich wahrgenommen wird. Die wirkende Stressdosis ist das Ergebnis aus dem Wechselspiel von Anforderungen und der Bewertung von eigenen Bewältigungsmöglichkeiten. In der Regel entscheidet die subjektive Bewertung darüber, ob eine Beanspruchung einen negativ-belastenden oder einen positiv-motivierenden Einfluss auf den Menschen hat. Die individuelle Bewertung erfolgt in Relation zu den eigenen Ressourcen, aber auch in Bezug auf soziale Normen.

Lärm, Hitze oder Kälte, Giftstoffe oder hohe Krafteinwirkungen sind Belastungen, von denen eine schädigende Wirkung ausgehen kann. Viele Vorschriften des Arbeitsschutzes und der Sicherheit beziehen sich auf derartige Gefährdungen (zum Beispiel das Tragen von Schutzkleidung, Gehörschutz oder Helm).

Neben solchen objektiven Belastungen existiert auch eine Reihe von subjektiven Belastungen. Unerledigte Arbeiten, Meinungskonflikte mit Kollegen oder ein ungelöster Streit in der Familie können zu Anspannungen führen und die Erholung in Ruhephasen beeinträchtigen oder unmöglich machen.

  • Allgemeine Unterteilung von Stress-Bereichen:
  • Technische Überforderung,
  • Berufliche Überforderung,
  • Informationelle Überforderung,
  • Soziale Überforderung und
  • Emotionale Überforderung

 

Beruflicher Stress

 

Im Beruf wirken eine Vielzahl von Ursachen, Auslösern und Folgen von Stress auf unterschiedlichen Ebenen und in wechselseitigen Beziehungen. Da der Arbeitsplatz von den meisten Menschen als Grundlage zur Identifikation und dem Aufbau einer Familie angesehen wird, investieren Menschen hier besonders viel Leistungsbereitschaft und erfahren die häufigsten Belastungen. Neben den tatsächlichen Anforderungen durch die Arbeit können hier häufig auch Sorgen um die gesellschaftliche Anerkennung oder einen Arbeitsplatzverlust belastend wirken.

 

Über alle Alters- und Berufsgruppen hinweg sehen 70 % der Vollzeiterwerbstätigen Stress im Beruf als ein Risiko für die eigene Gesundheit. Drei potenzielle Stressfaktoren im Umfeld der Arbeit sind:

  • Steigende Anforderungen
  • Leistungsdruck
  • Konflikte (Work-Life-Balance)

Sozialer Stress

 

Streit oder Ärger in der Familie und Konflikte mit Kollegen oder dem Vorgesetzen gehören zu den sehr häufigen Ursachen für Stress. Dieser soziale Stress, der sich zum Beispiel in Ärger und Konflikten darstellt, kann unterschiedlichste Ursachen haben. Eine bedeutende Ursache für sozialen Stress ist das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Werte- und Bewertungssysteme.

Gerade in einer Umwelt, die voller Anforderungen steckt, bestimmt das persönliche Wertesystem darüber, welcher Aufgabe eine hohe Priorität zugeordnet wird, und welche Tätigkeiten aufgeschoben werden.


 

In privaten, zwischenmenschlichen Beziehungen können Konflikte entstehen, wenn das Verhältnis von Nähe und Distanz, Abhängigkeit und Autonomie, Liebe und Hass, Scham und Schuld oder Bindungswunsch und Freiheitsbedürfnis gestört ist. All diese Themen erzeugen neben sexuellen oder Identitätskonflikten eine Spannung, die im negativen Fall als Ärger und Belastung stresserzeugend wirken kann.

 

Kommunikation 

Vergegenwärtigt man sich die zunehmende Vernetzung von Menschen in sozialen Netzwerken, könnten die Familie und der klassische Freundes­kreis bereits als traditionelle Formen der Kommunikationsgemeinschaft angesehen werden. Die Leichtigkeit der Kontaktaufnahme und -pflege auch über größere räumliche Distanz fördert den zunehmenden Anteil virtueller Freunde. Aber auch im klassischen Freundeskreis verläuft ein Großteil der Kommunikation über Dienste wie zum Beispiel SMS und E-mail. Die Zunahme des Austausches von Informationen kann bei gleichzeitiger Abnahme von wahrhaften Begegnungen zwischen den Menschen dazu führen, dass man einerseits eine Überforderung durch die Anzahl der Kontakte und andererseits eine emotionale Unterforderung durch die Abnahme der nicht-sprachlichen Kommunikation erfährt.

 

Emotionaler Stress

 

Emotionaler Stress kann für Betroffene intensive Probleme bereiten, da es von außen schwer zu unterscheiden ist, ob Leistungseinbußen durch fehlenden Willen oder durch hohe emotionale Belastungen verursacht werden. Typische Auslöser von emotionalem Stress sind Sorgen und Trauer, die zu weiteren Beschwerden wie Schlafproblemen führen können.

 

Gesundheitliche Probleme

Sorgen über die eigene Gesundheit gehören zu den häufigsten Auslösern von emotionalem Stress. Zum einen können die Aufwendungen zum Ausgleich gesundheitlicher Einschränkung sehr belastend sein, zum anderen können Vorstellungen und Zukunftsperspektiven durch Krankheiten zerstört werden oder das gewohnte soziale Umfeld verändern.

Wenn Sorgen eine zu hohe Eigendynamik entwickeln, resultieren Zwänge, Ängste oder Furcht daraus, welche sich als starke emotionale Belastungen für Betroffene darstellen. Von den Menschen, die sich vornehmen Stress abzubauen oder zu vermeiden, empfindet fast jeder Zweite (ungefähr 47 %) gesundheitliche Sorgen als Stress.

 

Trauer

Wenn man ein unvorhergesehenes und trauriges Ereignis erlebt hat, kann dies Menschen emotional sehr stark belasten. Der Schock über den Verlust eines nahe stehenden Menschen oder die Unveränderbarkeit der Realität weicht oft nur langsam und durch eine Phase der motivationslosen Betrübtheit (Depression). Solche Formen von Trauer gehören zum normalen emotionalen Erleben des Menschen und ermöglichen, dass die emotionale Belastung mit der Zeit abklingen kann und die frühere Leistungsfähigkeit wieder erreicht wird.


Sorgen

Neben der Sorge um gesundheitliche Probleme sind finanzielle Sorgen, Sorgen um einen Arbeitsplatzverlust, Sorgen vor der Überforderung durch den Fortschritt und Sorgen vor Terrorismus sehr weit verbreitet. Dabei bestehen viele Interaktionen zwischen den Aspekten der Überforderung, des Berufsausfalls und der finanziellen Lage. Die Schwierigkeit, zukünftige Ereignisse vorherzusehen und die eigene Lebensplanung daran anzupassen, geht mit zunehmenden Unsicherheiten einher. Einigen Menschen fällt es leichter als anderen, mit Unsicherheiten und Mehrdeutigkeit umzugehen (Ambiguitätstoleranz). Häufig kann es sich schon als hilfreich erweisen, wenn man sich in Situationen nicht auf die mangelnde Sicherheit fixiert, sondern die wachsende persönliche Flexibilität wertschätzen lernt.


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